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ROSAMAG ist ein Online-Lifestylemagazin, dass afrodeutsche Frauen und Freunde informiert, inspiriert und empowert. ROSAMAG porträtiert die facettenreichen Lebenswelten der modernen schwarzen Frau. Von natürlichen Pflegetipps für Afrolocken, inspirierenden Interviews, mitreißenden Kommentaren und beflügelnden Reportagen - Wir zelebrieren afrodeutsche Frauen! Wir möchten Vorbilder schaffen und unsere Diversität zeigen.

Aminata-Belli

Aminata Belli: “Je erfolgreicher du wirst, desto mehr verlierst du deine Leichtigkeit.”

Nicht so Aminata Belli. wir haben uns mit Aminata auf einen eisgekühlten Kaffee getroffen.

“Ich hatte Glück in meinem Leben. Ich habe noch immer Glück, aber es kommt auch nicht von ungefähr. Ich habe dazu beigetragen. Ich habe dafür gearbeitet,” erklärt Aminata Belli. Im Schleswig-Holsteinischen Bad Oldesloe geboren, wuchs Aminata in einer Schaustellerfamilie auf. Sie ist Moderatorin und Reporterin, arbeitet aktuell an vier Formaten für MTV, macht Reportagen für Funk, ein Interior-Format für OTTO, ist auf Paneltalks, um über Rassismus zu informieren und die Gesellschaft zu sensibilisieren, hat ihren eigenen Lippenstift gemeinsam mit Maybelline kreiert, dreht für die AOK, moderiert auf Festivals und wurde in einer Umfrage auf RosaMag auf den ersten Platz, der afrodeutschen Frauen gewählt, die eine wichtige Stimme für die Schwarze Community ist. Kurzum: Aminata Belli ist big im Business. Sie hat mit ihren 27 Jahren Gipfel erklommen, die sich viele noch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen ausmalen können. Aminata Belli ist eine selbstbewusste, ehrgeizige Frau, die zu ihren Erfolgen steht, sie feiert, aber sich dem Preis und Schattenseiten bewusst ist. Die in aller Öffentlichkeit eine Identitätskrise hatte und persönliche Erfahrungen teilte, die sie so heute nicht mehr machen würde. Aminata kann sich zu Fremden setzen, sich mit ihnen unterhalten, als würde sie diese schon ewig kennen. Ihnen ein besonderes Gefühl vermitteln. Sie ist mitreißend, charismatisch und humorvoll. Wir haben uns mit der 27-jährigen getroffen, um herauszufinden, wie sie ihre beruflichen Erfolge erreichen konnte. Was waren ihre Stolpersteine und vor allem: Wie geht es weiter?

Einmal Schausteller*in immer Schausteller*in – fast

Es sind 33 Grad im Schatten. Wir sitzen in einem Café in Berlin-Friedrichshain unter einem Schirm. Sonnenstrahlen knallen auf den Asphalt. Die Luft ist trocken. Es ist heiß. Gleißend heiß. Aminata kommt direkt vom Yoga. Seit Anfang diesen Jahres ist sie von Hamburg nach Berlin gezogen, erkundet ihren Kiez. Sie sieht frisch aus, überhaupt nicht angestrengt, aber müde. Aminata Belli wollte immer Moderedakteurin und Reporterin werden. Das wusste sie schon mit jungen 13 Jahren. Es gab keine Alternative. “Ich hatte meine Ziele auf 

meine Tür im Wohnwagen ausgedruckt. Jeden Tag schaute ich darauf. Mit dieser Motivation bin ich zur Schule gegangen. Ich wusste: Ich muss mein Abitur machen, weil ohne Abitur  kann ich nicht studieren und ohne Studium kann ich das nicht ausführen,” erklärt sie. Aminata Belli stammt aus einer Schauspieler*innen- und Schausteller*innen-Familie. Eigentlich wird dieses Vermächtnis weitervererbt. Wenn die Eltern Schausteller*innen sind, bleiben es auch die Kinder. Nicht so Aminata. 

Aminata-Belli

“Tatsächlich habe ich alles durchgezogen. Ich glaube es liegt auch daran, dass viele Leute Sachen gar nicht machen. Weil sie der Meinung sind, dass ist ja etwas ist, dass sowieso jeder machen will und das es dadurch schwer ist, es umzusetzen. Für mich war es tatsächlich irgendwie nicht so schwer, weil ich da sehr viel Leidenschaft hatte. Sehr fleißig war und immer ganz viel gemacht habe, dass ich dann irgendwann dahin gekommen bin, wo ich jetzt bin.” 

Wenn sich Aminata etwas in den Kopf setzt, dann zieht sie das durch. Bei ihrem damaligen Schülerpraktikum lautete eine Auflage, dass die Schüler*innen in ihrem eigenen Landkreis einen Platz finden. Aminata wollte allerdings in Hamburg beim Bauer-Verlag ein Praktikum machen. Sie bewarb sich, wurde genommen, ging dorthin, pendelte und hatte endlich Verlagsluft geschnuppert.

Es ging weiter. Danach war sie für sechs Monate bei der Petra. Dann das Abitur, Studium in Modejournalismus und Medienkommunikation, als Modeassistentin bei der Grazia, ein paar Gigs nebenher bei Warner Music Night. Sie war auf allen Fashionweeks. In Mailand, Paris und saß neben der Prinzessin von Saudi-Arabien in der ersten Reihe. Wenn Aminata Belli sich etwas in den Kopf setzt, zieht sie es durch. Das, verdammt gut. 

“Ich habe gelernt, dass man arbeiten muss, um etwas zu bekommen”

Aminata Belli ist immer unterwegs. Solltest du zu denjenigen gehören, die ihre Instagram Stories schauen, wirst auch du feststellen, dass es schwer ist, überhaupt mitzuhalten. Festivals, in Hamburg, wieder in Berlin, wieder los, eine Story aus einem Hotel, dann ein neues, vom Flughafen, in einem Auto, im Zug. Ihr Kindheit auf dem Jahrmarkt hat sie auf dieses Leben vorbereitet. “Wir hatten keinen Alltag. Ich habe heute keinen Alltag.” Jede Woche war sie an einem anderen Ort. Doch in den Phasen des Jahreswechsels, musste sie auch schon einmal ganze vier Wochen in einer Schule verharren. “Ich fand die Vorstellung schon krass, jeden Tag mit den gleichen Menschen zusammen zu sein. Dann dachte ich. Wie kann man denn ein ganzes Jahr oder mehrere Jahre in dem gleichen Raum verbringen, mit den gleichen Menschen, an den gleichen Orten. Wie langweilig ist das! Das kann ich mir immer noch nicht vorstellen.” Aminata schwärmt von ihrer Kindheit. Sie hatte kein Problem sich von Woche zu Woche neu beweisen zu müssen.

“Ich war voll offen,” so Aminata und vergleicht sich mit ihrer Mutter, die ähnliches erlebte, nur anders damit umging: “Meine Mutter hatte einmal gesagt, dass sie schüchtern war. Sie hatte sich immer in die letzte Reihe gesetzt und mit niemanden geredet. Ich war anders. Ich kam an und war so: Ich erzähle euch von meinem Leben!” Ein gewisse Kontinuität gab es allerdings schon. Die Menschen und Familien um den Jahrmarkt herum, waren eine Community, eine Gemeinschaft. “Ich bin mit meinen Freund*innen aufgewachsen, die auch auf den gleichen Jahrmärkten lebten und bin mit denen heute immer noch befreundet. Es gab auch mal eine Woche, wo meine Freundin auf Fehmarn war und ich in Kiel. Es ist eine große Gemeinschaft, die zusammenkommt. Eine große Familie.” Aminata ist dadurch anpassungsfähiger, kann, muss und möchte sich beweisen. Ihre Spielweise, zwischen Dosenwerfen, Zuckerwatte und Leuchtreklamen, haben sie auf das harte Fernsehgeschäft vorbereitet. 

“Man fängt früh an mitzuarbeiten. Ich habe gelernt, dass man arbeiten muss, um etwas zu bekommen,” so Aminata. 

Der letzte Jahrmarkt, den sie besuchte, war in Berlin. Das Deutsch-Französische Volksfest. Der Geruch, die Lichter, das Leuchten, die Menschen, das erinnerte sie an die Heimat. Nicht ganz. Der salzige Meeresgeruch und die Brise des Nordens fehlten. Die Jahrmarktwelt verändert sich. Die Besucher*innen schwinden, die Feste werden kleiner, die Zelte weniger und manche machen sogar komplett die Schotten dicht.

“Es ist gut sich daran zu erinnern, dass man genauso da stehen könnte, bei 30 Grad und wartet dass jemand kommt, aber es kommt keiner. Nicht mehr so wie früher,” erklärt Aminata, während sie ihre Stirn in Kraus zieht. Das motivierte Aminata. Denn wenn sie keine Moderedakteurin oder Moderatorin geworden wäre, würde sie heute dort stehen, ist sie überzeugt. 

Identitätskrise in der Öffentlichkeit

Mit 17 Jahren startete Aminata Belli mit ihrem Youtube-Channel. In einer Zeit, wo die Szene sich herantaste, machte Aminata ihre ersten Schritte und erlernte autodidaktisch das Handwerk der Moderation. Sie besprach Stylingideen, natürliche Afrohaarpflege und auch den Prozess, ihren Vater aus Gambia kennenzulernen. In einem 15-minütigen Video erläuterte Aminata diese Erfahrung, was bei vielen ZuschauerInnen etwas auslöste. Sie erhielt viele Nachrichten, Zusprüche, Glückwünsche, persönliche Anekdoten über ähnliche Erfahrungen – alles drehte sich, um ihren Vater, statt um ihre Mutter.  Das missfiel ihr. “Für mich war es nicht so ein Ding,

meinen Vater kennenzulernen. Eigentlich spielt mein Vater gar keine Rolle in meinem Leben, mittlerweile schon eine kleine, aber meine Mutter ist so viel größer als mein Vater. Die Außenwelt hat meinen Vater zu so einem großen Ding gemacht und das hat mich gestört.” Aminata wird ihre Privatsphäre immer wichtiger. “Ich habe mir vor kurzem alle Videos angeguckt. Da sind so viele Sachen, die ich jetzt gar nicht mehr so machen würde und sagen würde. Ich steckte in einer Identitätskrise oder so,” lacht sie. Die Videos stammen von 2012. Menschen besuchten weiterhin ihren Youtube-Kanal und dachten, dass die Aminata von 2019 weiterhin so denkt. 

“Es gibt da Videos, da habe ich Sachen gesagt, wo ich einfach nur den Kopf schütteln kann. Ich dachte: Boah, rettet jemand dieses Mädchen bitte! Ich musste es auf Privat stellen,” 

schlussfolgert sie. Zwar ist Aminata Belli weiterhin mit ihren Instagram Stories aktiv, nimmt ihre Follower*innen mit in ihre Welt, zeigt, wie ihr Alltag aussieht, beruflich, aber auch privat, im Urlaub mit ihrer Oma, ihren Freund*innen oder auf Events, doch es ist anders. “Ich weiß ganz genau, was ich sage und wann,” erklärt sie und bezieht sich auf eine Erfahrung, die sie davon abhält persönliche Informationen mit dem Netz zu teilen. “Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass ich Beziehungen nicht öffentlich machen will. Weil das war mit meinem ersten Freund ganz blöd. Nach unserer Trennung haben mir fremde Leute geschrieben.” Über die eigene Periode zu sprechen, ist für Aminata nicht persönlich. Es ist ein Thema, mit dem sie andere Frauen motivieren möchte, tabuisierte Räume zu öffnen. Diese sogar einzutreten. Es ist ein Balanceakt, als öffentliche Person, nicht  zu viel 

preiszugeben und gleichzeitig authentisch und nahbar zu sein. Aminatas Youtube-Videos, waren persönlich, intim, ihr Hobby, ein kleines digitales Tagebuch, welches sich zu Beginn an ihre Mutter richtete, während ihres Austauschs in den USA im Alter von 17 Jahren. Damit öffnete Aminata sich selbst die Tür zu ihrem ersten Job.  Es war ihr Ticket, um endlich in die Welt einzutauchen, die sie sich schon als 13-Jähriges Mädchen an die Tür klebte. Vor kurzem ist sie einem jungen Mann begegnet. “Er sagte, dass ich so viel geschafft hätte. Alles, was ich immer erreichen wollte und fragte mich, was jetzt noch mein Traum ist und mein Ziel. Ich habe noch längst nicht alles erreicht! Aber gerade ist mein Kopf so voll, wie mein Terminkalender und dabei bleibt nicht so viel Zeit für Zukunftspläne.” 

Aminata-Belli

Wie geht es weiter, wenn man alles erreicht hat?

Den Abend vor unserem Treffen sah sich Aminata die Dokumentation über den berühmten DJ Avicii an.  Tim Berglings Geschichte beschäftigt sie. Der Netflix-Film zeigt den physischen und psychischen Druck des weltberühmten Stars, der 20 Tage nach der Veröffentlichung tot in einem Hotel in Muscat im Oman aufgefunden wurde.  

“Je erfolgreicher du wirst, desto mehr verlierst du deine Leichtigkeit. Weil mehr Leute von dir gewisse Dinge erwarten,” spricht Aminata über die Herausforderung vom Leben im Rampenlicht. 

Im letzten Jahr hat Aminata gemeinsam mit Maybelline einen Lippenstift herausgebracht. “Ich war auf Plakaten. Das hätte ich mir nicht erträumt!” Über all das, freut sie sich, doch gleichzeitig sagt Aminata ganz klar, was essentiell in ihrem Leben ist. “Ich hoffe, dass mein Körper mich lange trägt, ich gesund bin, meine Familie gesund ist. Ich bin glücklich. Ich hoffe, dass es so weitergeht.” Aminata Belli möchte einfach mal durchatmen und ihre Errungenschaften genießen, feiern, innehalten. In einer Gesellschaft zu leben, die auf Leistung aus ist, auf schneller, besser, weiter, krasser bis zu einem Punkt, an dem sich Menschen verausgaben, ist es erleichternd zu hören, dass auch Aminata Belli das alles manchmal zu viel ist. “Ich freue mich, wo ich gerade bin und das möchte ich genießen.” 

Ein Online-Lifestylemagazin für afrodeutsche Frauen schaffen. Genau das hat sich die 29-jährige Berlinerin in den Kopf gesetzt. Nun ist Cianis Traum wahr geworden. RosaMag informiert, inspiriert und empowert Schwarze Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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