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Black Lives Matter: „Schwarze Menschen haben in diesem Land ganz andere Erlebnisse, als weiße Menschen”

Racial Profiling, Polizeigewalt, die bis zum Mord führt, Benachteiligungen bei der Arbeits-und Wohnungssuche, konstante Andersmachung – Diana Arce, Mit-Organisatorin des sechsköpfigen Black Lives Matter Berlin- Team ist sich sicher: „Deutschland hat ein Rassismusproblem“. Die soziale Bewegung Black Lives Matter Berlin prangert den strukturellen Rassismus an, der Schwarze Menschen seit Jahrzehnten benachteiligt in Deutschland und weltweit. Wie ist die Organisation entstanden und wofür steht sie ein? Wir haben mit der Aktivistin gesprochen. 

Die Anfänge von Black Lives Matter gehen auf das Jahr 2012 zurück, als in den USA der erst 17-jährige Trayvon Martin auf seinem Weg nach Hause von George Zimmermann kaltblütig erschossen wurde. Trayvon Martin war unbewaffnet und hatte nichts getan, außer als Schwarzer Jugendlicher mit einem Kapuzenpullover durch einen Wohnkomplex zu laufen. Sein gewaltsamer Tod und der darauffolgende Freispruch für seinen Mörder lösten in den USA eine Rassismusdebatte aus. Hashtag BlackLivesMatter wurde ins Leben gerufen und verbreitete sich binnen kürzester Zeit auf den sozialen Netzwerken. Der Beginn einer Bewegung, die erst das gesamte Land und später Schwarze Communitys weltweit zusammen führte mit einem gemeinsamen Ziel: der Kampf gegen Rassismus. 

Warum ist Black Lives Matter in Deutschland relevant?

Selbst wenn sich das ein Großteil der Bevölkerung in diesem Land nicht eingestehen möchte: in Deutschland sind manche Menschenleben weniger wert als andere. 

Wer das nicht recht glauben mag, sollte sich fragen, wie die Reaktionen ausfallen würden, wenn es nicht Schwarze, sondern weiße Körper wären, die tagtäglich im Mittelmeer ertrinken? Wie würde die Mehrheit weißer Deutscher reagieren, wenn es Menschen wären, die aussehen wie sie, die sich unter lebensgefährlichen Bedingungen durch Wüsten kämpfen? Hätte es eine Titelstory der Zeit gegeben, in der ganz pragmatisch nach Pro und Contra der Seenotrettung gefragt worden wäre, wenn es Paul, Hannes und Louisa wären, die dort im Wasser untergehen würden?

Die künstlich geschaffene Hierarchie innerhalb der Menschheit, die auf die Rassenlehren der Kolonialzeit zurückzuführen ist, stellt Schwarze Menschen auf die unterste Stufe. Das gilt auch für die Bundesrepublik. Es zeigt sich nicht immer durch offen ausgelebten Rassismus. Es muss nicht der Nazi in Springerstiefeln sein, der einer Person mit erhobenem rechten Arm hasserfüllt das N-Wort entgegen brüllt. Manchmal können es auch die wohlwollend klingenden potenziellen Arbeitgeber*innen sein, die Schwarzen Bewerber*innen mitteilen, dass sie leider nicht zum Unternehmen passen würden. Oder die Mathelehrer*innen, die vor versammelter Klasse verkünden, dass Schwarze Schüler*innen schlechter abschneiden würden, weil ihnen die intellektuellen Fähigkeiten fehlen würden.  Egal wohin man blickt, Weiß ist die Norm, das Unantastbare, das Reine und die westliche Welt gilt als der Höhepunkt allen kulturellen und intellektuellen Schaffens. Während Schwarz und Schwarzsein genau die gegenteiligen Konnotationen hervorrufen: bedrohlich, dreckig und primitiv. Deutschland hat sich kaum bis gar nicht mit seiner Kolonialgeschichte befasst und diese Theorien wurden bis heute gesamtgesellschaftlich nicht wirklich hinterfragt. Das ist einer der Gründe, warum Schwarzes Leben hier immer noch als fremd wahrgenommen wird.

„Deutschland hat ein Rassismusproblem“, sagt Diana Arce, eine der Organisator*innen aus dem sechsköpfigen Black Lives Matter Berlin-Team. Der deutsche Ableger wurde vor drei Jahren gegründet. „Wir sind für alle da. Black Lives Matter Berlin setzt sich nicht nur für Schwarze Deutsche ein, sondern für alle Menschen aus der Diaspora, für Migrant*innen, für Geflüchtete”, erzählt die Aktivistin. 

Von der Solidarität zur eigenen Bewegung 

Die Organisation wurde gegründet, um Solidarität zu bekunden mit Schwarzen Communitys weltweit. Gleichzeitig macht die soziale Bewegung  auf die Missstände aufmerksam, denen Schwarze Menschen ausgesetzt sind – in Berlin, wo Black Lives Matter Berlin gegründet wurde, aber auch für ganz Deutschland.  „Wir sehen, was mit unseren Brüdern und Schwestern in den Flüchtlingsheimen passiert. Wir sehen sie im Mittelmeer sterben. Wir sehen, dass wir keine Jobs, keine Wohnungen bekommen, aufgrund unseres Aussehens. Selbst wenn wir deutsche Pässe haben, werden wir nicht als deutsch akzeptiert. Wir sehen, dass Schwarze LGTBQ Menschen, allen voran Transpersonen, verfolgt und ermordet werden”, sagt Diana Arce. „Schwarze Menschen haben in diesem Land ganz andere Erlebnisse, als weiße Menschen”, führt die Aktivistin weiter aus. Wer das nicht glaube, könne sich den Bericht der UN-Expert*innengruppe zu Menschen afrikanischer Herkunft anschauen. In diesem wird festgehalten, „dass Deutschland ein Rassismusproblem gegenüber Schwarzen hat“. Vor allem das Racial Profiling wird in dem Bericht als Diskriminierungsform erwähnt, die besonders oft Schwarze Personen trifft. Beim Racial Profiling werden Menschen aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbilds selektiven Personenkontrollen und Durchsuchungen unterzogen. Paradebeispiel sind Kaufhausdetektive, die Schwarzen Menschen und People of Color durch Geschäfte folgen, weil sie davon ausgehen, dass diese etwas klauen könnten. Dabei geht es nicht um einen konkreten Verdacht, allein das Aussehen macht sie zu potenziellen Täter*innen. 

„Im letzten Jahr haben der ISD, Reach Out, KOP, EOTO und ein paar anderen Organisationen die Berliner Kampagne  Ban! Racial Profiling – Gefährliche Orte abschaffen! organisiert”, sagt Diana Arce. Die Kampagne richtete sich gegen einen Abschnitt des Berliner Polizeigesetzes. Dieser erlaubt der Polizei bestimmte Bereiche, wie zum Beispiel den Alexanderplatz und das Kottbusser Tor, aufgrund von erhöhten Kriminalitätsraten, zu Sonderrechtszonen zu deklarieren. In diesen Zonen dürfen Polizist*innen verdachtsunabhängig Menschen kontrollieren. Nicht selten zielen diese vermeintlich stichprobenartig durchgeführten Kontrollen auf Schwarze Personen ab. Aufgrund ihrer Hautfarbe stehen sie bei Polizei und Staat unter Generalverdacht. 

„Auch Schweigen ist Gewalt“

Die Nicht-Aufklärung im Fall Oury Jalloh, der vor 14 Jahren in einer Dessauer Polizeizelle in Sachsen verbrannte und kürzlich der gewaltvolle Tod von William Tonou-Mbobda im Hamburger Universitätsklinikum, der von Sicherheitsbeamt*innen so brutal zusammengeschlagen und fixiert wurde, dass er verstarb, angeblich, weil er sich weigerte seine Medikamente zu nehmen, zeigen vor allem eins:  In Deutschland wird mit zweierlei Maß gemessen, wenn es um die staatliche Aufklärung von Kriminalfällen geht. Es sind nur zwei Beispiele von vielen, die aufzeigen, dass eben nicht jedes Menschenleben gleich viel wert ist. Der mediale Aufschrei bleibt meist aus, wenn es Schwarze Menschen sind, denen Gewalt widerfährt.  

„Die Polizei kann Menschen ermorden, ohne, dass das juristisch verfolgt wird“, sagt Diana Arce. „Die meisten Menschen schauen ständig in Richtung USA, wenn es um solche Probleme geht, aber mit der AfD im Parlament und dem offenen Rassismus, der jetzt im Mainstream gezeigt wird, können sich Schwarze Personen auch hier auf der Straße nicht mehr sicher fühlen.“ Deshalb versucht Black Lives Matter Berlin immer wieder die Aufmerksamkeit auf diese Ungerechtigkeiten zu lenken. Zuletzt beim Black Lives Matter Berlin-Protest am 05. Juli. Black Lives Matter Berlin steht gegen das Verschweigen von Rassismus ein, denn „auch Schweigen ist Gewalt“, wie sie auf ihrer Webseite schreiben. 

Wer mehr über Black Lives Matter in Deutschland erfahren möchte, sollte sich die sehr sehenswerte Dokumentation von Ze.tt zu dem Thema anschauen. Sie gibt noch einmal einen umfangreichen Einblick in die Arbeit verschiedener Schwarzer Organisationen  in Deutschland.

 

Titelbild von @montecruzfotodoc

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