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Ndumbeh

Brief an Ndumbeh – Was ich mit 16 gerne gewusst hätte und was du vielleicht wissen solltest

Fotocredit: Jennifer Muzuana

Brief an Ndumbeh

“Ich habe diesen Brief für Ndumbeh und alle Schwarzen Frauen geschrieben, die irgendwann in ihrem Leben nach Deutschland ausgewandert sind. Für alle, die eine Welt zurückgelassen haben. Für die, die in eine neue Welt eingetreten sind und ihren Platz neu finden müssen. Für euch, die sich mittendrin auf dem Weg befinden. Für diejenigen, die ihren Platz schon gefunden haben und für den Austausch darüber, wie sie diesen Prozess erlebt haben, damit sich die neue Generation nicht alleine damit fühlen muss.”

Vor einem Jahr hat Jennifer Ndumbeh kennengelernt. Ndumbeh ist mit 15 von Gambia nach Deutschland gezogen und ist inzwischen 16 Jahre alt. Jennifer, die selbst mit zehn Jahren aus Mosambik nach Deutschland kam, konnte sich sofort mit ihr identifizieren.

Liebe Ndumbeh,

ich bin sehr dankbar dafür, dass ich dich angesprochen habe, weil du einen bekannten Teil in mir aufgeweckt und mich daran erinnert hast, welchen Weg ich schon gegangen bin.

Als ich mehr über dich erfuhr, wurde mir bewusst, in was für einem Prozess du dich befindest. Du bist 16 Jahre alt, eine Schwarze Darkskinned Frau und vor einem Jahr von Gambia nach Deutschland gezogen. Ich war damals zehn Jahre alt, als es für mich in Mosambik hieß, ich solle nach Deutschland zu meiner Mutter ziehen, die damals zunächst als Gastarbeiterin in die DDR kam und entschied, sich hier niederzulassen.

Auf den ersten Blick habe ich deine Schönheit gesehen. Ich spüre deine Kraft und verstehe deine Träume und Wünsche. Ich sehe aber auch deine Entwurzelung. Ich sehe deine verschwundene, vertraute Umgebung. Ich sehe die Verunsicherung in dir, die damit einhergeht, wenn vertraute Gesichter, Gerüche, Geschmäcker und Farben aus deiner gewohnten Sichtweite verschwinden.

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Unbequeme Wahrheiten

Es bricht mir das Herz, dir sagen zu müssen, aber Schwarze Menschen sind die sichtbarste Minderheit in Deutschland. Das heißt, du bist jetzt eine Schwarze Frau in einer weißen Welt.

Es wird dir auffallen, dass du als “anders” angesehen wirst, auch wenn du erst nicht benennen können wirst, was es mit diesen Blicken auf deine strahlende Haut in der Bahn, an der Kasse, im Restaurant auf sich hat.

Diese Gesellschaft wird dich in ein Stereotyp reinpressen wollen, in das du nicht reinpasst – Angry Black Woman. Diese Vorstellung der Schwarzen Frau beschreibt das Auftreten von Women of Color als laut und zu aggressiv. Es dient dazu Frauen, die sich öffentlich kritisch zu einem Thema äußern, den Mund zu verbieten und ihnen die Expertise und Sachlichkeit abzusprechen. Um bloß nicht aufzufallen, habe ich zu lange geschwiegen. Ich wollte es den Menschen um mich herum Recht machen und habe dabei meine Realität verleugnet. Bis mir bewusst wurde, dass es stark und mutig ist lautstark für sich einzutreten. Man wird dadurch auch zum Vorbild für andere Schwarze Frauen.

Es werden Namen nach dir gerufen werden, wie dumm, faul und hässlich. Nur deinen richtigen Namen werden sie nicht nennen. Es wird dir leicht fallen, diese Dinge über dich zu glauben, weil du dich selten im positiven Licht repräsentiert fühlen wirst. Und weil sich Deutsche Zeit nehmen werden, dir einen Zungenbrecher vorzuführen: „Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fritz Fischer“, aber keine zwei Minuten um deinen Namen “Ndumbeh” richtig auszusprechen und zu schreiben. Du wirst sehr viel buchstabieren müssen. Es wird dir auf den Sack gehen, nicht zu wissen, ob du aufgrund deines Namens den Job oder die Wohnung nicht bekommen hast.

ndumbeh

Manchmal wirst du dir wünschen, langes und glattes Haar zu haben wie deine weißen Mitschülerinnen. Es wird dich nerven, wenn dir einfach ungefragt in dein Haar gefasst wird. Dieses Unbehagen wirst du nach so einem Schultag zu Hause schreiend oder leise mit Don’t touch my Hair von Solange ausgleichen wollen.

Zu deinen weißen Mitschülerinnen: Bitte vergleiche dich nicht mit ihnen. Deine weißen Mitschülerinnen leben in einer komplett anderen Welt als du. Schon allein aus dem Grund, dass sie aus Elternhäusern stammen, deren vorangegangenen Generationen nicht mit Unterdrückung zu kämpfen hatten, sondern damit beschäftigt waren, sich die besten Plätze für die nachkommende Generation zu sichern.

Du hast mir davon erzählt, dass keine deiner Mitschülerinnen dich besuchen kommen will und dass du deine Freund*innen in Gambia vermisst, weil es dir hier schwerfällt, enge Kontakte zu knüpfen, vor allem, wenn deine Einladungen nicht angenommen werden. Daraufhin musste ich an meine ältere Schwarze Freundin von damals denken, weil sie einmal zu mir sagte “Jenni, die hängen zwar mit dir ab, aber die werden dich nie wie ihresgleichen ansehen”. Das bezog sie auf meine weißen Freundinnen aus der Schule. Ich habe es nicht verstanden, weil ich noch nicht auf der Bewusstseinsebene war und mich entschied, sie als etwas Negatives zu titulieren.

Heute verstehe ich, was sie damit meinte, weil ich mich schon schluchzend sitzen sehen habe, weil ich mich in weißen Gruppen noch nicht vollkommen aufgenommen gefühlt habe. Ich wurde halb aufgenommen und mit einer gewissen Skepsis, die sich im Bauch unangenehm anfühlte. Was ich dir allgemein über Freund:innenschaften sagen möchte, ist: Wenn du deinen Wert schnell kennenlernst und dich lieben und respektieren lernst und dir darüber im Klaren bist, was dir in einer Freund:innenschaft wichtig ist und wie du Freund:innenschaften führen willst, dann schrecke nicht davor zurück, diese Werte und Grenzen offen zu kommunizieren. Dieser Weg wird dich automatisch dahin führen, wo du Liebe und Respekt findest. An dieser Stelle ein Buch Tipp für dich: What a time to be Alone von Chidera Eggerue.

Wo wir beim Thema Selbstliebe sind. Du wirst Stabilität nicht von „Außen“ bekommen.
Nicht durch deine Selfies, deine Likes und auch nicht über teure schöne Klamotten. Diese Dinge mögen Freude bringen und ich liebe sie alle, aber die Freude, die damit einhergeht, ist von kurzer Dauer. Schnell wirst du dich wieder in der Selbstzweifel – Schleife befinden, aus der du ausgebrochen bist und gedacht hast, dass die neuen Schuhe dich diesmal für immer daraus holen.

Selbstliebe und Selbstwertschätzung sind ein INSIDE JOB. Wie vieles ist auch das ein Prozess. Ich bin mir sicher, dass du deinen Weg mehr als erfolgreich gehen wirst. Du kannst die Erste in deinem Familienstammbaum sein, die studiert. Du kannst dir alles erarbeiten, was du bewunderst und gerne hättest. Auf dem Weg dahin summe We Gon be Alright von Kendrick Lamar und lies Feel the Fear and Do it Anyway von Susan Jeffers. Denn wenn ich eins gelernt habe, dann das Schwarze Frauen verdammt resilient sind.

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Jennifer

Jennifer studiert Kommunikationsdesign in Düsseldorf wohnt aber in Bonn. Dieses Jahr hat sie mit dem Djing angefangen. Außerdem fotografiert sie gerne und freut sich immer über Collabs mit Schwarzen Künstler:innen. “Ich liebe es, Afrikanerin zu sein, vor allem weil es Zeiten gab, in denen ich mich als Afrikanerin nicht wohl gefühlt habe”, sagt Jennifer selbst über sich. Neben ihrem kreativen Studiengang interessiert sie sich für ganzheitliche Gesundheit, Yoga, Sport, Achtsamkeit, Meditation, Ernährung und Empowerment.

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