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    didiane

    Colorism im Aktivismus: Warum Deutschland noch viel lernen muss

    Fotocredit: RosaMag

    Didiane Avokpo arbeitete zwei Jahre lang als Anti-Rassismus-Referentin in Berlin und Brandenburg. Dabei fiel ihr auf, dass sie in den aktivistischen Räumen, die sie betrat, meist die einzige dark skinned Schwarze Person war. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen. 

    Den Begriff Colorism kannte ich lange nicht, auch wenn ich schon immer gespürt habe, dass Schwarze Menschen in Deutschland unterschiedlich behandelt werden. Sehr deutlich wurde es mir, als ich Ende 2016 begann, im Anti-Rassismus-Bereich zu arbeiten. In der Zeit realisierte ich, wie stark Aktivismus in Deutschland von light skinned Afro-Deutschen dominiert wird. Meist war ich die einzige dark skinned Schwarze Person im Raum, alle anderen Menschen, die ich kennenlernte, waren light skinned Biracials. Uns unterschied auch, dass sie größtenteils einen stabilen finanziellen Background hatten. Ihr weißes Elternteil hatte ihnen einen Zugang zu Generational Wealth verschafft, also eine Form von finanziellem Wohlstand, die über Generationen hinweg besteht. Zu dem light skinned Privilege, das diese Aktivist*innen in diesen Räumen genossen, kamen deshalb auch Klassenprivilegien hinzu.

    Die meisten Schwarzen Menschen in Deutschland sind keine Akademiker*innen.

    In Räume, die dem Schwarzen Empowerment dienen sollten, fühlte mich mit meiner Perspektive als Arbeiterkind oft allein, vor allem am Anfang. Um mich herum wurden Wörter genutzt, mit denen ich nichts anfangen konnte. Was Intersektionalität, Privilegien, struktureller Rassismus oder People of Color bedeuten, lernte ich erst später. Diese Begriffe kommen aus einem akademischen Diskurs, nicht aus dem Alltag. Die meisten Schwarzen Menschen in Deutschland sind keine Akademiker*innen. Sie haben weniger finanzielle Möglichkeiten. Damals merkte ich, was für einen Disconnect es in Berlin gibt, zwischen den akademischen, teilweise elitären Räumen, in denen über Anti-Schwarzen-Rassismus gesprochen wird und den Räumen, in denen viele Schwarze Menschen sich bewegen.

    Wir erleben unser Schwarzsein alle unterschiedlich

    Gerade in Räumen, wo es um strukturelle Ungleichheit geht, die wir ja abbauen möchten, werden light skinned Menschen mehr gehört. Es war anstrengend, ständig die einzige dark skinned Person sein, wenn über Anti-Rassismus, Anti-Diskriminierung und Anti-Sexismus gesprochen wurde. Ich fühlte mich oft genötigt, dark skinned Perspektiven deutlich zu machen, weil sie sonst gefehlt hätten.

    Wir erleben unser Schwarzsein in Deutschland alle auf unterschiedliche Art und Weise.

    Momentan nehmen vor allem Schwarze Frauen, die light skinned und biracial sind, in aktivistischen Räumen viel Platz ein. Sie sitzen in den entscheidenden Positionen. Sie leiten die Projekte. Sie bestimmen, welche Themen behandelt werden. Sie haben den Zugang zu staatlichen Fördermitteln und entscheiden, welche Aspekte für Schwarzen Aktivismus in Deutschland wichtig sind. Ihre Perspektive ist aber oft eindimensional. Das ist normal. Wir erleben unser Schwarzsein in Deutschland alle auf unterschiedliche Art und Weise. Wenn sich ausschließlich biracial Schwarze Menschen in einem Raum treffen, werden sie wahrscheinlich über die Dinge sprechen, die ihren Alltag prägen. Vielleicht ist das die weiße Mutter, die das Schwarzsein nicht anerkennen möchte oder sie haben in ihrer weißen Familie Rassismus erlebt. Aus dieser Perspektive wird dann Aktivismus betrieben. Das sollte aber nicht der einzige Ansatz sein. Denn es macht nunmal einen Unterschied, ob ich light- oder dark skinned, ob ich weiß und deutsch sozialisiert bin oder unter Migrant*innen aufgewachsen bin. Ob meine Eltern Lehrer*innen sind, im Büro arbeiten, Ärzt*innen sind oder nach Deutschland flüchten mussten. Ob ich queer bin oder nicht, ob ich eine Behinderung habe oder nicht. All diese Schwarzen Perspektiven müssen mitbedacht werden, wenn das Ziel ist, Systeme der Unterdrückung abzubauen und die Lebensrealitäten Schwarzer Menschen in Deutschland zu verbessern.

    Dark skinned Menschen müssen im Vordergrund stehen

    Als ich mich vor einer Weile mit einer biracial Schwarzen Bekannten über Colorism unterhielt haben, meinte sie zu mir, ihr sei bewusst, dass sie von light skinned Privilegien profitiere. Es verletzte sie aber auch darüber zu sprechen, weil sie das Gefühl hätte man würde ihr ihr Schwarzsein absprechen. Das zeigt: Auch in Diskussionen um eine Diskriminierungsform, die nur dark skinned Menschen betrifft, zentrieren light skinned Personen oft ihre Gefühle und Perspektiven. In Diskursen um Anti-Schwarzen Rassismus und Colorism sollten aber die Lebensrealitäten von dark skinned Schwarzen Personen im Vordergrund stehen. Biracial Schwarze Menschen müssen ihre Privilegien nicht nur anerkennen, sondern wirklich hinterfragen, welche Zugänge sie ihnen zur deutschen Gesellschaft verschafft haben. Dabei müssten sie aufhören, sich und ihre Erfahrungen mit weißen Menschen zu vergleichen, sondern mit darker skinned Menschen. In ihrem Aktivismus sollte es weniger um die Anerkennung ihrer Rassismuserfahrungen und weiße Menschen gehen. Auch beim Dating erwarte ich mehr Solidarität von light skinned Personen. Wenn dir jemand sagt, er*sie stünde nicht auf dark skinned Schwarze Frauen, dann muss das ein Ausschlusskriterium sein.

    Vor allem in aktivistischen Räumen wünsche ich mir, dass mehr darauf geachtet wird, wer wann für wen spricht und, welche Perspektive fehlt.

    Von light skinned Personen erwarte ich mehr Widerstand, wenn sie irgendwo als die vermeintlich guten Schwarzen durchgehen. Wenn sie spüren, dass ihr Gegenüber sie nur toleriert, weil sie angeblich nicht so sind wie die anderen, weil sie zum Beispiel gebildet seien oder sich gut ausdrücken könnten. Vor allem in aktivistischen Räumen wünsche ich mir, dass mehr darauf geachtet wird, wer wann für wen spricht und, welche Perspektive fehlt.

    Denn ich weiß auch um die Grenzen meiner eigenen Wahrnehmung: Ich bin eine dark skinned Schwarze cis-Frau. Eine Schwarze trans Frau wird in Deutschland beispielsweise ganz andere Erfahrungen machen als ich. Wenn ich einen aktivistischen Raum betrete, versuche ich das niemals zu vergessen. Wir sollten immer versuchen, so viele verschiedene Menschen wie möglich an den Tisch holen.

    Es ist wichtig, über die Erfahrungen von biracial Schwarzen Menschen zu sprechen. Es ist wichtig, über die Erfahrungen von light skinned Schwarze Menschen zu sprechen, aber gerade gehen dark skinned Schwarze Menschen in diesem Prozess unter.

    Didiane

    Didiane Avokpo ist Diplom-Juristin. Abgeschlossen hat sie ihr Studium der Rechtswissenschaft, mit dem Schwerpunkt im Völkerrecht an der Europa-Universität. Nun arbeitet sie als Research Associate beim Berliner Start-up Grover. Nebenbei ist sie als wissenschaftliche Aushilfe an der European New School of Digital Studies tätig.

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