Wir sind ROSA.MAG
RosaMag - das erste Online-Lifestylemagazin für afrodeutsche Frauen.

Wer ist ROSAMAG?

RosaMag Mitglieder

ROSAMAG ist ein Online-Lifestylemagazin, dass afrodeutsche Frauen und Freunde informiert, inspiriert und empowert. ROSAMAG porträtiert die facettenreichen Lebenswelten der modernen schwarzen Frau. Von natürlichen Pflegetipps für Afrolocken, inspirierenden Interviews, mitreißenden Kommentaren und beflügelnden Reportagen - Wir zelebrieren afrodeutsche Frauen! Wir möchten Vorbilder schaffen und unsere Diversität zeigen.

Sexarbeiterin Josefa Nereus

Das Leben als Schwarze Sexworkerin: “Ich vögel weniger, als man so meinen würde.”

Bild: Lucas Wahl

Im Gespräch mit Sexworkerin, Youtuberin und Aktivsitin Josefa Nereus.

“Oft wird bei dunkler Haut oder ausländischem Aussehen eine Zwangslage im Hintergrund vermutet. Das ist dem angeblich feministischen Narrativ geschuldet,” erklärt Josefa Nereus. Die Hamburgerin verdient ihr Geld, indem sie Sex mit unterschiedlichen Menschen hat und die “verschiedensten Kinks und Vorlieben” erforscht. Die 33-jährige ist Sexworkerin. Sie folgt ihrer Leidenschaft und ist dafür auch bereit unbequem zu sein. Wir haben mit ihr über Klischees und die Tatsche gesprochen, dass sie weniger Stereotypisierung als Sexworkerin erfährt, als in ihrem vorherigen Mediengestalter-Job. 

Sexarbeiterin Josefa Nereus

Bild: Lucas Wahl

Was machst du? 

Um Geld zu verdienen und mich zu verwirklichen, mache ich Sex mit den unterschiedlichsten Menschen und erforsche die verschiedensten Kinks und Vorlieben. Mit meinem YouTube-Kanal setzte ich meine Kreativität frei und verbringe sonst gerne Zeit mit meinen Freunden.

Wie bist du in den Beruf gekommen? 

Angefangen habe ich, weil ich mehr Sex in meinem Leben haben wollte, aber das mit dem Dating nicht so mein Ding war. Geblieben bin ich, weil ich sehr viel Spaß bei der Arbeit habe und etwas mehr Geld verdiene, als in meinem gelernten Beruf als Mediengestalterin. 

Was magst du an deinem Beruf? 

Besonders mag ich die Flexibilität, da es so viele unterschiedliche Arbeitsmodelle gibt. Zu Beginn habe ich viel Nachts in Hotels gearbeitet, das war mir irgendwann zu stressig. Ich beschloss während des Tages von einer Wohnung aus zu arbeiten. Später musste ich wegen Zysten operiert werden und konnte mein Angebot einfach auf erotische Massagen beschränken und dadurch zügig wieder weiterarbeiten. Als Selbstständige gibt es keine Lohnfortzahlungen oder ähnliches … Und natürlich das Arbeiten mit Menschen und Sexualität. Ich habe mir schon als 14-jährige das Kamasutra gekauft, weil ich wissen wollte, was Sexualität noch alles sein kann, als Fortpflanzung. 

Sexarbeiterin Josefa Nereus

Bild: Lucas Wahl

Was magst du weniger an deinem Beruf? 

In dem Segment in dem ich die letzten Jahre arbeite, braucht es sehr viel Laptoparbeit. Bloggen, posten, Interviews … und immer wieder etwas Neues liefern, dass kann auch ganz schön anstrengend werden. Ich vögel weniger als man so meinen würde. Dabei gibt es immer weniger Rechtssicherheit. Stattdessen viele Sondergesetze, -verordnungen und -steuern für Sexworker*innen, die das Arbeiten erschweren und gerade wird wieder darüber diskutiert, unsere Kunden zu Kriminellen zu machen …

Wie reagiert dein Umfeld auf deine Arbeit? 

Bei meinem Outing waren die Reaktionen sehr unterschiedlich. Angefangen bei „Das ist ja spannend“ bis hin zu „Du bist ja gestört“. Es hat leider einige Menschen so verstört, dass eine Freundschaft nicht mehr möglich war. 

Welche Alltagsrassismen oder Klischees begegenen dir? 

Mein heutiges Umfeld ist gut gewachsen und dort begegnen mir recht wenige Klischees. Als ich mich aber um eine bürgerliche Ausbildung und bei Agenturen beworben habe, verzichtete ich auf ein Foto. Mein Name klingt deutsch genug und beim Gespräch waren dann doch einige überrascht. Ich sehe so viele Menschen mit dunkler Haut, die mitten in der Nacht arbeiten oder hinter verschlossenen Türen in der Gastro zum Beispiel und das hat nichts damit zu tun, dass sie so gut kochen können oder besonders fleißig sind. 

Sexarbeiterin Josefa Nereus

Bild: Lucas Wahl

Welche Vorteile erlebst du, als Sexworkerin, aufgrund deiner Hautfarbe? 

Sexworker*innen werben mit Fotos von sich und in einem Meer aus überwiegend weißen Dienstleistern, falle ich mit meiner dunkleren Haut auf.  Dadurch muss ich weniger um die Aufmerksamkeit buhlen und kann mich auf anderes konzentrieren.

Welche Nachteile? 

Oft wird bei dunkler Haut oder ausländischem Aussehen eine Zwangslage im Hintergrund vermutet. Das ist dem angeblich feministischen Narrativ geschuldet, nachdem nur Ausländerinnen, Sexarbeit anbieten und in ihren Herkunftsländern alle Analphabeten/innen sind und sie ihren Männern gehörig sind. Alice Schwarzer und viele andere Prostitutionsgegner*innen verstecken ihren Rassismus sehr geschickt hinter einer Fassade. In Wirklichkeit geht es darum Arbeitsmigration zu verhindern. Aber Schutz, dass wollen doch alle und plappern unreflektiert nach und viele buchen darum bevorzugt Frauen mit heller Haut und perfektem deutsch. Am Anfang, als ich in der Szene unbekannt war, hat das bestimmt viele abgeschreckt, teilweise habe ich das sogar in Freierforen gelesen.

Gibt es Kunde/innen, die dich explizit, aufgrund deiner Hautfarbe aufsuchen? 

Ja die gibt es auch, manchmal höre ich etwas wie: Du erinnerst mich an meine Ex-Freundin. Da schwingt dann eine Prise Nostalgie mit. Es gibt bestimmt auch Kunden, die mich auf einer Liste abhaken, aber das kommunizieren sie nicht mit mir.

Wird deine Hautfarbe thematisiert? 

Meine Hautfarbe ist manchmal Thema. Jemand fragt vorsichtig, wie es kommt, dass ich dunkle Haut und krauses Haar habe. Viele haben auch einen anderen Fokus und wollen die Stimmung nicht mit einem so komplexen Thema einfärben.  Dennoch ist Haut immer ein Thema! Man begegnet sich nackt und im Laufe des Treffens, wir natürlich auch meine Haut und Haar entdeckt. Wenn ich mit einer blonden Kollegin zusammenarbeite, sehe ich da aber wenig Unterschiede. Wenn man sich schon länger trifft, lernt man sich natürlich kennen und da fragt und erzählt man natürlich auch mal welche Erfahrungen ich mache. 

Auf welche Fragen oder Klischees könntest du verzichten? 

Mich schmerzt die Frage nach „meinen Landsleuten“ sehr! Ich habe schon Verständnis dafür, dass Menschen darüber reden wollen, dass ich anders aussehe. Die Wertung die damit einhergehen kann, stört mich. Ich bin auch Teil dieser Gesellschaft, dieses Landes und leiste meinen Beitrag um es zu verbessern!

Gib deinen Senf dazu!