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Dayan Kodua "Odo"

Dayan Kodua: “Kinderbücher sollten ein Spiegel der Welt und Fenster zur Welt zugleich sein”

“Mir hat es einfach gefehlt, normale Bücher zu lesen, in denen ein Kind vorkommt, das so aussieht wie ich.” Dayan Kodua ist Schauspielerin, Unternehmerin und hat nun ihr erstes Kinderbuch geschrieben. “Ich möchte einfach eine Veränderung in den Köpfen der Menschen hervorrufen,” erklärt Dayan. Deshalb hat sie sich entschlossen “Odo” zu schreiben, es bedeutet auf Twi “Liebe”. Ein bisschen Fiktional, ein bisschen aus ihrem Leben in Ghana. Wir haben mit Dayan über ihr neues Werk gesprochen: 

Wer warst du in deinem vorherigen Leben?

Bevor ich reinkarniert wurde? 🙂 Ich denke ich war eine KRIEGERIN. Aber in diesem jetzigen Leben habe ich seitdem ich 14 bin, immer irgendwie auf der Bühne gestanden. Ich habe mit 14 oder 15 mit dem Modeln angefangen und durfte für Designer*innen, wie Vivienne Westwood, Thierry Mugler, Escada, etc auf dem Catwalk laufen. Dann habe ich irgendwann mit dem Tanzen und Singen angefangen und sang als Backgroundsängerin für Künstler*innen wie Chris de Burgh, Sasha und arbeitete dann als Backgroundtänzerin für Nelly, Master P. (hier in Deutschland), dann für Lou Bega, Right Said Fred und Eiffel 65. Als würde das schon nicht reichen, habe ich mich aus Spaß bei einer Miss Wahl beworben und wurde zur Miss Schleswig Holstein gewählt.

Es war eine sehr schöne und aufregende Zeit. Nach dem Abi habe ich mich entschieden, mich auf die Schauspielerei zu konzentrieren. 

Erzähl uns über “Odo”

Als die 6-jährige Odo eines Tages auf der Geburtstagsparty ihrer Freundin eine schwarze Puppe sieht, ist sie völlig begeistert. Sie kann an nichts anderes mehr denken, als eines Tages eine eigene schwarze Puppe in ihren Armen hin und her zu wiegen. Odo ist für ihren sehnlichsten Wunsch bereit, einen beschwerlichen, aber auch lehrreichen Weg einzuschlagen.

Das kleine Mädchen lernt auf seiner Reise, an sich und seine Träume zu glauben.

Das Buch habe ich schon 2010 geschrieben. Es lag in der Schublade unter vielen anderen Manuskripten, aber ich musste es irgendwann mit der Welt teilen. Odo bedeutet Liebe auf Twi. Und die Geschichte ist ein Teil aus meiner Kindheit in Ghana und ein Teil Fiktion.

Ich bin total dankbar, dass ich dann Jando gefunden habe, der mich dabei unterstützt hat, dem Text den letzten Schliff zu geben und Robby Krüger, die für die wunderschönen Illustrationen verantwortlich ist.

Dayan Kodua "Odo"

Bild: Dayan Kodua 

Wie und warum hast du dich entschieden ein Kinderbuch zu schreiben?

Mir hat es einfach gefehlt, normale Bücher zu lesen, in denen ein Kind vorkommt, das so aussieht wie ich. Und ich denke Kinderbücher sollten Spiegel der Welt und Fenster zur Welt zugleich sein. Ein Spiegel, mit dem Kinder lernen können, ihr Leben zu reflektieren, und ein Fenster, welches ihnen die Chance gibt, das Leben eines anderen Kindes kennenzulernen.

Meiner Meinung nach gibt es in deutschen Kinderbüchern zu wenig Vielfalt hinsichtlich Kultur und Hautfarbe. Dadurch haben Kinder mit anderer Hautfarbe oder einem anderen kulturellen Hintergrund kaum positive Identifikationsfiguren. In der Schule und in den Medien wird über schwarze Kinder oft im Zusammenhang mit Themen wie Armut oder Krieg gesprochen. Stereotype Darstellungen in Film und Fernsehen tun ihr Übriges. Schwarze Kinder wollen jedoch nicht immer „die Problemkinder“, sondern ganz genauso auch mal Helden/innen mit besonderen Kompetenzen sein.

Was ist dein persönliches Ziel?

Mein Ziel ist es mit „Odo“, einfach eine Geschichte zu erzählen, in der mein „Kleines Dayan“ sich wiedererkennt und ich hoffe sehr, dass dadurch andere Autoren eine Chance sehen, auch ihre Geschichten zu erzählen.

Und mit „Odo“ möchte ich daher eine besondere Geschichte erzählen, deren Hauptfigur eine schwarze Hautfarbe hat und noch dazu ein Mädchen ist, welches den Kindern und ihren Eltern etwas Positives mitgibt.

Es ist einfach so, wenn Kinderbücher mehr Diversität zeigen, hilft dies auch sukzessiv dabei, dass man nicht mehr darüber redet, wenn jemand „anders“ aussieht. Und das hilft wiederum, stereotype Sichtweisen zu reduzieren.

Kinder empfinden sich grundsätzlich als normal und gehen auch so auf andere Kinder zu. Wenn sie schon früh Geschichten über Kinder mit unterschiedlicher Hautfarbe lesen, kommt es gar nicht erst zu einer anerzogenen Art der Wahrnehmung mit eingeschränkter Weltsicht, und das Gefühl von „Die sehen anders aus!“ entsteht gar nicht erst.

Dayan Kodua "Odo"

Bild: Dayan Kodua 

Das ist auch nicht dein erstes Buch. Erzähl uns von “My Black Skin”?

2014 habe ich mein erstes Buch mit dem Titel »My Black Skin – Schwarz. Erfolgreich. Deutsch.« Initiiert und herausgegeben. Zum Buch gibt es seit 2015 eine Wanderausstellung in Deutschland. Die Idee und die Umsetzung des Buches wurden für den Emotion Award nominiert, und der NDR wählte das Buch zum politischen Buch des Monats.

In „My Black Skin“ zeigen 25 afrodeutsche Persönlichkeiten mit Stolz das, was unübersehbar ist: ihre dunkle Haut. Doch dieses Buch ist mehr als nur ein Bildband – es ist auch eine Anleitung zum Erfolg. Die Protagonisten aus Politik und Wirtschaft, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Sport berichten, wie sie es nach oben geschafft haben. Sie sind Vorbilder und zeigen, dass man, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft, alles erreichen kann, wenn man nur an sich glaubt.

Nach welchen Kriterien hast du die Protagonist*innen ausgewählt?

Am Anfang wollte ich aus jedem Land jemanden dabei haben, der oder die hier in Deutschland erfolgreich wurden, aber mit der Zeit merkte ich, dass ich mich doch einschränken sollte. Da mein großartiger Fotograf Thomas Leidig hier in Hamburg lebt und meine Journalistin ebenso, war es sinnvoll, die Interviews hier in Hamburg zu führen. Das heißt, wenn Thomas viel hätte reisen müssen, hätte ich von Station zu Station zahlen müssen. Also hatten wir Glück, dass ich einige Protagonisten nach Hamburg bringen konnte und der Rest in Hamburg und Umgebung wohnte. Dann war es mir wichtig, Anwälte, Ärzte, und Menschen in normalen Berufen zu zeigen, die uns mitteilten, wie sie beruflich dahin gekommen sind wo sie heute stehen. Eine Art Mini-Biografie meiner Protagonisten. Für mich war es ein „Aha“ Erlebnis als ich den 190 cm großen Simon Mounimben vor mir stehen hatte, in seiner und so freundlichen Augen zu sehen und dann zu erfahren, dass er Hamburgs erster schwarzer Streifenpolizist ist. Ich war stolz, dass zu erfahren. Oder Nelson Müller (Sternekoch) oder Dr. Victoria Manu als Zahnärztin mit eigener Praxis. Mega Erfolgsgeschichten in meinem Verständnis. 

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich habe fünf Jahre in Los Angeles gelebt und wenn man so wie ich in einer Kleinstadt wie Kiel aufwächst und seine Vorbilder nur in der Serie „Bill Cosby“ sieht, dann guckt man schon verdutzt, wenn man auf einmal in Los Angeles lebt und viele Menschen kennen lernt, die ALLES sein können, unabhängig von der Hautfarbe. Was ich in Deutschland nicht kannte. CEOs, Unternehmer/innen, Anwälte, etc. . Also fing ich schon in Los Angeles an, mir Gedanken zu machen welche Vorbilder wir Schwarzen in Deutschland haben. In meiner Recherche war es mir sehr wichtig viele Akademiker zu finden. Und ich fand sie auch. Ich hätte über 100 und mehr erfolgreiche Schwarze Vorbilder in dem Buch platzieren können, aber es wäre zu umfangreich gewesen. Deshalb hatte ich mich auf 25 beschränkt. 

Wie war das Feedback?

Das Feedback war und ist grandios. Einfach weil „wir alle“ uns repräsentiert gefühlt haben. Zum Buchrelease waren alle da und die Presse hat das Thema dankend angenommen. Noch heute bekomme ich E-Mail-Anfragen, wann ob der zweite Band herausgegeben wird. 

“Odo” 

*Ab jetzt erhältlich. 

Erschienen im Gratitude Verlag 

Buchpreis 14,95€ 

 

*Keine Werbung. Einfach und echte pure Begeisterung!

COMMENTS
  • Anabell

    REPLY

    Liebe Ciani-Sophia Hoeder,

    vielen Dank für diesen Beitrag und die tolle Buchempfehlung. Ich werde mir das Buch anschaffen, da ich selber mit Kinderbüchern arbeite und ständig auf der Suche nach Geschichten bin, die nicht die Dominanzgesellschaft, in welche Hinsicht auch immer, darstellen. Eine kleine Anmerkung zum Artikel habe ich: er zitiert am Anfang einen Satz, der (vermeintlich) von der Autorin gesagt wurde. Es gibt eine Theorie dazu, von Rudine Sims Bishop, die, wie ich finde mehr Beachtung verdient hat:

    https://scenicregional.org/wp-content/uploads/2017/08/Mirrors-Windows-and-Sliding-Glass-Doors.pdf.

    Dort beschreibt sie eben genau das Konzept von Spiegeln, Fenstern (und Glastüren). Es entspringt also aus ihren Gedanken (1990). Vielleicht kann das ja noch nachträglich erwähnt werden 🙂

    Herzliche Grüße
    Anabell

    16. Januar 2020
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