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Einen Monat Tinder

Einen Monat im Tinder-Roulette

Swipe links, swipe rechts, am Dienstag Paul, Donnerstag steht Tom an, aber am Mittwoch? Da ist noch was frei! Auf das kleine Flammensymbol geklickt und die Swiperei geht von vorn los. Willkommen im modernen Dating! Wobei das nicht ganz passt. Jedes dritte Paar lernt sich bereits über Online-Datingplattformen kennen. Analoges Treffen, ist so was von gestern und inzwischen hüpfen die ersten Tinderbabys durch die Kindergärten. Meine Freundin Anni schwört auf solche Apps und obwohl mein Terminkalender überläuft, dachte ich mir: Ich, der Datingmuffel schlechthin, wagt sich in die Tinderspähre hinein. Vier Männer, ein Monat, hunderte nach links geswipte Gesichter und einige nach rechts später, habe ich einige Erkenntnisse gesammelt. Also, ahoi meine Matrosinnen! Vergesst Amor und sagt hallo zu einem neuen Liebesboten: Der gute alte Algorithmus oder lieber nicht?

Big Data und das neue Liebesglück

Viele Biere und Weinflaschen in verrauchten Bars, verputzte Leckereien aus den angesagtesten veganen Berliner Restaurants später, kenne ich nun die Spielregeln beim Beachvolleyball und weiß warum eine SSL-Verschlüsselung für Webseiten wichtig ist. Ich habe viele wundervolle Abende gehabt, doch der Weg dorthin war steinig. Zwischen “Hi” und “wie gehts”, war ich von den ersten Kontaktversuchen nicht sonderlich angetan. Und ja, ich halte an den archaischen Mustern fest: Der Mann muss zuerst schreiben. Was ziemlich schwer ist, wenn in meiner Bio exakt 0 Zeichen enthalten sind, wie mich Andrew in einer Nachricht aufmerksam gemacht hat. Doch die überaus kreativen, aber auch attraktiven Männer haben sich trotzdem ihren Weg zu einem Treffen mit mir gebahnt. Dennoch habe ich die harte Arbeit unterschätzt und muss gestehen: Tinder verschluckt einiges an Zeit. Je häufiger ich online war, desto mehr Likes bekam ich, dann das Schreiben und den richtigen Tag zum Kennenlernen finden und nicht mit den Herren durcheinander kommen! Nix da mit kurz mal im Bus für fünfzehn Minuten hin und her wischen! Es ist work, work, work. Doch ich blieb am Ball und suchte mir vier Kandidaten aus, die ich ziemlich interessant fand und unterschiedlicher gar nicht sein konnten.

Love at first swipe

Doch damit fing die richtige Arbeit erst an. Die Location änderte sich, die Gesichter auch, doch das Prozedere war dann immer wieder gleich. So spaßig und spannend mein kleiner Besuch in die Welt der Online-Dating-Apps war, musste ich feststellen, dass ich ganz langsam abstumpfte. Ich konnte meine eigenen Witze nicht mehr hören – alles wurde inflationär. Doch nicht nur mir erging es so. Da hatte ich ein gutes zweites Date mit Michael und die nette Nachricht am nächsten Tag lautete nicht: “Es war schön mit dir gestern”, nein, ich bekam ein GIF zugeschickt. Trotzdem greifen ein Prozent der Bevölkerung auf die sogenannte “Sexapp” zu und jetzt verstehe ich allmählich auch warum. Sobald mein Treffen mit Marc nicht gut lief, fischte ich auf dem Weg nach Hause das Smartphone heraus und die Suche ging weiter. Die Auswahl ist doch so groß und das Leben zu kurz, um es mit einem schlechten Date zu verbringen!

Die Digitalisierung ist (nicht) schuld am Untergang der Romantik

Meine Freundin und bekennende Tinder-Gegnerin Madlen nickte mir zu und sagte: “Genau da haben wir es! Es gibt sich keiner mehr Mühe, weil wir durch solche Apps viel zu viel Auswahl haben!” Könnte es sein, dass ich so viele Frösche geküsst habe, dass ich den Prinzen gar nicht mehr erkenne? Und warum sollte ich nur den Prinzen nehmen, wenn ich auch die Möglichkeit hätte den besten Freund, den Bösewicht und den König gleichzeitig kennenzulernen? Klingt plausibel, aber ist wirklich Tinder daran schuld? Das nicht festlegen wollen, weil es etwas Besseres gibt (Ich bin da leider keine Ausnahme, wie gesagt nach Marc ging es wieder direkt ins Tinder-Roulette hinein und ich habe mich mit Kai verabredet), ist unser heutiger Zeitgeist oder um es mit den Worten von Michael Nast zu sagen, unsere “Beziehungsunfähigkeit”. Die App ist nur die Materialisierung unserer eigenen Bedürfnisse und unserer Besessenheit nach etwas zu jagen, was es nur auf Netflix und in Hollywood gibt. Vielleicht ist es auch einfach nur die Stadt Berlin? Als Datingmuffel war ich überwältigt von der großen Auswahl und den wundervollen Menschen, denen ich begegnet bin. Zwei von den vier Männern sind bei mir immer noch im Rennen. Ich kann nur eines sagen: Versucht es Girls! Geht raus, habt Spaß, trinkt einen und genießt euer Singleleben.

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