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Transracial Identität

Ist Transracial Identität ein Ding?

Jessica Krug gab sich über ein Jahrzehnt als Schwarze Frau aus. Genau genommen war die Gastprofessorin an der George Washington University erst Nordafrikanerin, dann machte sie als Schwarze mit US-Wurzeln weiter und schließlich war sie eine aus der Bronx stammende Frau mit karibischem Hintergrund. Ein Racial-Identity Ping-Pong. In Wahrheit ist Jessica Krug eine weiße jüdische Frau, die im Vorort von Kansas City aufwuchs. Krug und Rachel Dolezal (die aktuell “hautfarbene” Masken auf Insta verkauft, falls ihr euch gefragt habt, was die Lady so treibt?) bringen das Konzept der kulturellen Aneignung auf den Gipfel. Dagegen ist der Kardashian-Clan ein Kindergarten! Leiden sie einfach an einer dissoziativen Identitätsstörung (so nennt man heute Multiple Persönlichkeitsstörungen), maximalen White Saviorism oder existiert tatsächlich das Konzept – “Transracial Identität”? Und wenn ja, beginnt von nun an eine Identitätsanarchie?

Wenn Race wie Gender wäre…

Es ist schon pervers, wenn eine weiße Frau erfolgreich darin ist eine Schwarze Person zu sein. Rachel Dolezal kreuzte auf offiziellen Dokumenten unter der Frage der Race, African-American an, war erfolgreiche Sprecherin der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) und wurde am Ende von ihren eigenen (weißen) Eltern enttarnt. Düddüümmm. Wer weiß, vielleicht wäre sie am Ende die erste “Schwarze” Präsidentin der Vereinigten Staaten geworden? Jessica Krug lehrte über afroamerikanische Geschichte und Kolonialismus, heimste Preise dafür ein, erhielt einen Buchdeal und erhielt Stipendien, die für Schwarze Menschen vorgesehen waren. Vielleicht wäre sie am Ende doch noch Südafrikanerin geworden, um ihre Identitätsevolution zu vervollständigen, wenn sie sich selbst nicht über Medium gecancelt hätte – beziehungsweise musste?

Beide nutzten das historische und kulturelle Erbe von Schwarzen Aktivist:innen für ihre eigenen Erfolge. Sie ernteten die Früchte – ohne den Struggle. Aus moralischer Sicht ist es – wie bereits geschrieben- pervers, aber darüber möchte ich hier gar nicht schreiben, dafür gibt es immerhin Twitter. Nein, ich möchte mich der Frage widmen: Wenn Race, wie Gender, ein soziales Konstrukt ist, kann sich doch jede Person als Schwarz identifizieren? Auch Krug und Dolezal.

White Passing und nun gibt es Black Passing 

Es ist ein Fakt: Race ist ein soziales Konstrukt. Bedeutet: Es gibt keine biologischen Unterscheidungen zwischen weißen und schwarzen Menschen. Doch der Imperialismus, Kolonialismus, die Skalverei, Rassismus, Apartheid und die Nazis – um nur einige Faktoren zu nennen – haben eine so nachhaltige Arbeit geleistet, dass wir uns weiterhin mit Rassismus herumschlagen müssen. Also: Race ist nicht real, Rassismus ist es schon. Leider.

Seitdem das Konstrukt Race salonfähig wurde, ko-existierte auch das Konzept vom Racial Passing.

So werden Safe Spaces übernommen

White Passing beschreibt Schwarze Menschen, deren Hautfarbe hell genug ist, um gerade noch so als weiß durchzugehen und somit die sozialen sowie strukturellen Vorteile von weißen Menschen zu genießen. In “A Chosen Exile – A History of Racial Passing in American Life” hat die amerikanische Historikerin Allyson Hobbs eine Vielzahl an Passing-Vorfällen in Zeiten der Segregation festgehalten. Darin brachen Afroamerikaner:innen bewusst jeden Kontakt zu ihren Schwarzen Freund:innen und Verwandten ab, um als weiß unter Weißen zu leben. Nils Markwardt schlussfolgert auf Zeit Online, dass Passing ein Beweis dafür ist, dass Race historisch nicht notwendigerweise an die Hautfarbe geknüpft, sondern eben mitunter auch “eine Frage der erzwungenen Performance gewesen sei.”

Dabei liegt die Betonung auf “erzwungen.” Damals ging es teilweise ums Überleben, aber auch um Privilegien. Das noch gepaart mit internalisierten Rassismus – wenn man als Person, die selbst von Rassismus betroffen ist, ihn selbst auch praktiziert – zeigt, dass es eine harte Zeit war.

Doch willkommen im 21. Jahrhundert. Nun gibt es anscheinend auch Black Passing. Menschen, die weiß sind und sich als Schwarz verkaufen. Damit können sie sich auch auf Stipendien bewerben, Positionen und Safe Spaces für von Rassismus betroffene Menschen übernehmen.

“I identify as Black”

So lautete der Satz, der Rachel Dolezal enttarnte und gleichzeitig die Diskussion um das Konzept von “Transracial Identity” im Jahre 2015 entfachte. Ist Race also eine Entscheidung? Ein Gegenbeispiel wäre Michael Jackson. Als Schwarzer Junge geboren, wurde er aufgrund der Weißfleckenkrankheit – Vitiligo – weiß. Trotzdem sagte er in einem Interview mit Oprah Winfrey, dass er sich als Afroamerikaner identifizierte. Lil Kim claimt eine Latina zu sein und entfachte eine heftige Diskussionen im Netz dazu. Egal, wie viele Nasen-OPs die Rapperin hinter sich hat oder wie hell die Hautfarbe vom King of Pop am Ende war – Schwarzsein wird nicht nur durch das Aussehen determiniert. Es ist auch die Biografie, die Ausgrenzungserfahrungen, der Struggle – all das formt Schwarze Identität. Trotzdem möchte ich hier nicht ermessen, die Deutungshoheit darüber zu haben, wer sich wie identifiziert.

Das Vorgehen von Rachel Dolezal und Jessica Krug reproduziert letztlich eines: Machtstrukturen. Nicht nur, weil es ein Privileg ist, sich dazu zu entschließen, ob man eine Person werden möchte, die von Rassismus betroffen ist oder nicht, sondern auch weil Dolezal und Krug in einem rassistischen und coloristischen System agieren. Das bedeutet: Sie werden als Schwarze Menschen immer erfolgreicher sein, als andere Schwarze Menschen, aufgrund von Rassismus.

Schwarze Identität hat Nuancen. Dafür gibt es ein Wort: Colorism. Das bedeutet, wenn Rachel Dolezal und Jessica Krug sich selbst als vermeintlich “Schwarz” identifizieren, dann werden sie immer mehr Privilegien erhalten, weil sie als White Passing angesehen werden, eben weil sie – bingo – weiß sind. Somit genießen sie alle Vorteile – von Schwarzsein und eben auch von weißsein. Ein Identitäts-fiest.Sie sind der Beweis, dass das Konzept “Transracial Identität” letztlich eine Einbahnstraße ist, für weiße Menschen, die sich entscheiden können, welche Identität sie (ein)nehmen. Das ist die Verkörperung von White Privilege und verstärkt letztlich eines: White Supremacy.

Ciani-Sophia Hoeder

Ciani

Ein Online-Lifestylemagazin für afrodeutsche Frauen schaffen. Genau das hat sich die 29-jährige Berlinerin in den Kopf gesetzt. Nun ist Cianis Traum wahr geworden. RosaMag informiert, inspiriert und empowert Schwarze Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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