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    Janina Kugel

    Janina Kugel: “Meine Hautfarbe spielte keine Rolle, aber mein Geschlecht.”

    Bild von Laurence Chaperon

    “Meine Herren, ich muss jetzt leider für einen Moment unterbrechen. Ich muss abpumpen.” Dieser Satz machte Janina Kugel zum Vorbild. Als stillende Mutter befand sie sich auf einer Tagung, wo keine Pause in Sicht war. Deshalb machte sie darauf aufmerksam. Das ist nur eine von vielen Anekdoten aus ihrem neuen Buch “It’s now – Leben, führen, arbeiten.” Janina Kugel ist Managerin, ehemalige Personalvorständin von Siemens und wir haben über ihr Buch gesprochen und warum es Menschen braucht, die auf Hügeln tanzen. 

    RosaMag: Erzähl uns ein wenig über dich und deinen Weg!

    Janina Kugel: Ich bin beruflich viel umgezogen. Ich machte mein Abi, studierte in Mainz und Verona und wollte beruflich einfach viel erleben. Einer meiner Charakterzüge ist – Routine kann ich – auf Dauer wird mir das aber zu langweilig. Vielleicht lag es auch daran, wie ich groß geworden bin?

    RosaMag: Wie bist du denn aufgewachsen?

    Janina Kugel: Meine Eltern haben mich schon gepusht, indem sie mich zum Schüleraustausch geschickt haben – was in den 80ern nicht so üblich war. Und ich war häufig die einzige Schwarze. In meinem Abijahrgang gab es 100 Schüler und Schülerinnen und drei Menschen davon hatten eine dunkle Hautfarbe und ein weiterer war asiatisch. Ich war also immer automatisch anders. Das hat mich geprägt. Mit ungefähr 30 wurde mir klar: selbst maximale Anpassung würde mich dennoch nie wie alle anderen machen, also kann ich auch bis zu einem gewissen Grad mein eigenes Ding zu machen.  Das gab mir sehr viel Freiheit.

    “Ich habe dieses Anders-Sein angenommen. Ich dachte mir: Jetzt mache ich mein Ding um so mehr!”

    RosaMag: War das der Grund, warum du zu Siemens gegangen bist?

    Janina Kugel: Ich wollte in globalen Strukturen arbeiten, mit Menschen aus aller Welt. Ursprünglich wollte ich zur UN, Siemens war mehr Zufall. Meine Motivation war es, die Welt zu entdecken. Was ich auch tat.

    RosaMag: Was hatte eine größere Rolle in deinem Job gespielt, dass du eine Frau, Mutter oder das du Schwarz bist?

    Janina Kugel: Interessanterweise hat meine Hautfarbe im Job keine Rolle gespielt. Bei meinem Geschlecht sah das ganz anders aus. Für Siemens arbeiten 380.000 Menschen in 180 Ländern. Wenn ich in Indien war, waren 95 Prozent der Leute Schwarz, in Südafrika oder Nigeria auch. Wäre ich in einem kleinen mittelständischen Unternehmen in Oberbayern oder im Schwabenland eingestiegen, wäre es vielleicht ganz anders gelaufen. Meine Hautfarbe spielte erst eine Rolle, als ich als Vorständin wurde und für andere Schwarze Menschen sichtbar wurde.

    RosaMag: Hast du dann Nachrichten aus der Community erhalten?

    Janina Kugel: Ja, viele schrieben mir, dass sie froh seien, dass endlich mal jemand, der aussieht wie sie „oben“ angekommen war. Sie berichteten aber auch von rassistischen Vorfällen, die sie in ihrer eigenen Organisation erlebten mit der Frage: Was sie nun tun sollen? Da sah mein Alltag ganz anders aus.

    RosaMag: Noch mal zurück zur ursprünglichen Frage. Inwiefern spielte dein Geschlecht eine Rolle?

    Janina Kugel: Aufgrund der klassischen Hürden und Erwartungshaltungen an Männer und Frauen. Dadurch, dass ich in den ersten Berufsjahren in den USA und in Schweden gearbeitet habe, war es für mich nie eine Frage, ob Kinder zu kriegen und Vollzeit zu arbeiten gemeinsam funktioniert. Meine Eltern lebten in einer gleichberechtigten Beziehung. Mein Ex-Mann ist Däne. Dadurch habe ich einfach das gemacht, was ich wollte.

    “Nur weil es Grenzen gibt, muss ich sie nicht automatisch akzeptieren. Das ist auch mein Appell. Wenn du andere Bedürfnisse hast und du möchtest andere Grenzen ziehen, dann musst du es artikulieren.”

    RosaMag: Darüber schreibst du auch in deinem Buch. Als du deinem Chef erklärst, dass du weiterhin Vollzeit arbeiten möchtest.

    Janina Kugel: Ganz genau. Nach der Geburt sagte ich zu meinem Chef, dass ich mehr Flexibilität brauche. Damit war er einverstanden. Viele Frauen hören : Jetzt bleibt doch erstmal zu Hause. Sei erst einmal Mama. Das ist vielleicht ja gut gemeint, aber drängt sie in eine Rolle, in der sie vielleicht gar nicht sein wollen. Und deshalb wäre für mich die Aufforderung an alle zu sagen: Wenn ihr die Regeln und dieses Korsett, in dem wir ja alle in irgendeiner Weise operieren, zu eng findet, dann sagt es. Wenn ihr glücklich damit seid, auch gut . Aber wenn nicht, dann dürft ihres nicht einfach nur hinnehmen, sondern ihr müsst versuchen es zu verändern.

    RosaMag: Was hat dir dabei geholfen, deine Bedürfnisse klar zu kommunizieren und auch Grenzen zu erweitern?

    Janina Kugel: Eine gute Portion Selbstvertrauen und Reflexionsvermögen. Was kannst du gut und was kannst du nicht gut. Die Fähigkeit zu unterscheiden, was Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung ist. Ich habe Dinge gern in kleinen Räumen ausprobiert.

    Janina Kugel

    Bild von Laurence Chaperon

    RosaMag: Du spielst auf den Menschen auf dem Berg an, richtig?

    Janina Kugel: Menschen, die technologische Innovationen kreieren, erzählten mir davon, dass sie ihre Ideen erst einmal heimlich ausprobierten. Sobald es funktionierte, teilten sie ihre Entdeckung. Dabei erwähne ich auch im Buch die Analogie des Tänzers auf dem Hügel. Dieser tanzt allein vor sich hin. Von außen wirkt er verrückt. Irgendwann ist er nicht mehr allein. Mehr und mehr Leute schließen sich ihm an. So ist es mit Innovation. In der Realität dauert es natürlich lange.

    Es gibt viele Leute, die wollen auf dem Hügel sein und tanzen. Sie trauen sich nicht. Sie fragen um Erlaubnis und erhalten keine und sagen: Ich durfte ja nicht tanzen, deshalb bin ich nicht dort! Das macht es leichter. Wenn etwas im Leben schiefläuft, kann man die Schuld jemand anderen geben.

    Das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und anzupacken, erfordert Mut und Kraft. Man tanzt erstmal allein auf einem Berg, bis die anderen mitmachen. Und das ist dann ein tolles Gefühl.

    Ciani-Sophia Hoeder

    Ciani

    Ein Online-Lifestylemagazin für afrodeutsche Frauen schaffen. Genau das hat sich die 29-jährige Berlinerin in den Kopf gesetzt. Nun ist Cianis Traum wahr geworden. RosaMag informiert, inspiriert und empowert Schwarze Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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