Wir sind ROSA.MAG
RosaMag - das erste Online-Lifestylemagazin für afrodeutsche Frauen.

Wer ist ROSAMAG?

RosaMag Mitglieder

ROSAMAG ist ein Online-Lifestylemagazin, dass afrodeutsche Frauen und Freunde informiert, inspiriert und empowert. ROSAMAG porträtiert die facettenreichen Lebenswelten der modernen schwarzen Frau. Von natürlichen Pflegetipps für Afrolocken, inspirierenden Interviews, mitreißenden Kommentaren und beflügelnden Reportagen - Wir zelebrieren afrodeutsche Frauen! Wir möchten Vorbilder schaffen und unsere Diversität zeigen.

Madeleina-Gueye

„Es ist an der Zeit, dass wir uns den Platz selbst nehmen, anstatt auf etablierte Strukturen zu warten“

Im Gespräch mit unserer Autorin Madeleina Aissatou 

Madeleina hat schon immer gerne Geschichten erzählt und geschrieben. Irgendwann hat sie sich dazu entschieden, diese endlich auch mit ihren Mitmenschen zu teilen. Oder diese damit zu belästigen, je nachdem wie man`s auffasst. In München hat sie Kommunikationswissenschaften studiert, aber für die wissenschaftliche-akademische Karriere hat dann, weder ihr Herzblut, noch ihr Fleiß gereicht. Madeleina interessiert sich für soziale, (pop)kulturelle und gesellschaftliche Fragen und legt ihren Fokus dabei auf Perspektiven, die von den Lead Medien, gerne mal beiseite geschoben werden. Sich auf ein Spezialgebiet einzulassen, fällt ihr aktuell noch schwer – dazu sind gedanklich von Feminismus, über Literatur, Schwarze Geschichte, Wissenschaft, Hip Hop, Naturheilkunde, Psychologie bis hin zu Entertainment, Beauty, und Interior Design zu viele Tabs gleichzeitig offen.

Wer bist du?

Mein Name ist Madeleina, ich bin in München geboren und aufgewachsen und lebe seit drei Jahren in Berlin. Meine Mutter ist Deutsche und mein Vater ist Sénégalese; ich bezeichne mich selbst als Afrodeutsche, als Schwarze Frau oder als Deutsch Sénégalesin. Ich bin ganz frisch zu RosaMag dazu gestoßen und hoffe, dort als Autorin nicht komplett zu verkacken!

Was machst du bei RosaMag?

Ich schreibe Artikel und möchte dabei meine eigene Nische und Stimme finden.

Was ist deine Motivation?

Ich möchte Inhalte schaffen, mit denen sich Schwarze Menschen in Deutschland identifizieren können. Als Teenie und junge Frau hab ich mich viel zu oft an den USA orientiert, da ich mich in deutschen Medien kaum repräsentiert gefühlt habe. Es kann nicht sein, dass wir als Schwarze in Deutschland keine Bühne bekommen und es ist längst an der Zeit, dass wir uns den Platz selbst nehmen, anstatt darauf zu warten, dass etablierte Strukturen es ermöglichen. Es wäre außerdem wunderschön, wenn Schwarze Menschen über RosaMag als Plattform zusammenkommen und sich austauschen können. Es gibt viele, die wenig Kontakt zu anderen Schwarzen Leuten oder Afrodeutschen haben und die sehr weiß sozialisiert sind. Für sie ist es nicht selbstverständlich, Teil einer Schwarzen Community zu sein, sie fühlen sich vielleicht nirgends richtig zugehörig oder wissen schlicht nicht, wie sie ihre Haare richtig pflegen können. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die sich als Aktivist*innen verstehen, sehr woke sind und sich in ihrer Identität gefestigt sehen. Ein Austausch zwischen diesen Gruppen, die sich sonst in wahrscheinlich unterschiedlichen Bubbles befinden, wäre so bereichernd. Egal aus welchen Gründen, dich das Magazin interessiert: ob du Pflege- oder Stylingtipps brauchst, du Events in der und für die Schwarze/n Community suchst, dich ein Kommentar oder eine Reportage catcht, du dich politisch bilden möchtest oder gerade eine Identitätskrise durchmachst – es wäre toll, wenn RosaMag ein Anknüpfungspunkt dafür sein kann.

Was sind deine Themen?

So genau kann und will ich das gar nicht festlegen – so lange ich ein Thema spannend finde und merke, dass ich selbst unbedingt mehr darüber erfahren möchte, lohnt es sich für mich, darüber zu schreiben. Wichtig ist mir, dass es nichts ist, worüber ich selbst schon zehn Artikel gelesen habe. Generell interessieren mich aber besonders Menschen und ihre Geschichten oder Kommentare zu gesellschaftlichen sowie popkulturellen Ereignissen.

Du in einem Hashtag?

#awkwardaberesweißnichtjeder

Welche Frage kannst du nicht mehr hören?

„Würdest du dich als Feministin bezeichnen?“
(Ob ich mich als als Frau bezeichnen würde, die die Ansicht vertritt, dass Frauen* und Männer bzw. alle Geschlechtsidentitäten die gleichen Rechte haben sollten und dass patriarchale unterdrückende Strukturen unbedingt abzubauen sind? Ähmmm ja… ansonsten wär mein Selbstwert wohl gleich Null?!)

Welche Frage würdest du lieber hören?

Was bedeutet Feminismus für dich und dein Identitätsverständnis?

Die Konstruktion von Whiteness im Theater? Genau diesem Thema hat sich Madeleina in ihrem Interview mit Anta Helena Recke gewidmet. Bild: Meki Fedaku.

Anta Helena Recke

Was inspiriert dich?

Menschen, die in sich ruhen, wissen wer sie sind und ihre Ideen und Ideale realisieren, ohne sich abhängig machen zu müssen. Wenn es um eigene Kreativität geht: Bücher, Musik, Serien/Filme, mein Umfeld beobachten

Wer empowert dich?

Meine Familie und engsten Freunde, mein Glaube, Issa Rae, Chimamanda Ngozi Adichie und so viele starke Menschen und vor allem Frauen*, die mich mit ihrem Wissen oder Aktivismus bereichert haben (die Liste wäre zu lang)

Wo tankst du Energie?

Beim Tanzen/Sport, beim Schmusen, in der Natur, am Meer, ganz wichtig: beim langen (!) Ausschlafen

Was ist das letzte Bild, das du auf Instagram geliked hast?

Ein Kinderbild von Zoe Kravitz zusammen mit ihrer Mama Lisa Bonet

Was ist dein persönliches Ziel?

Ich denke, ich habe ganz viele unterschiedliche kleine Ziele, die sich dann hoffentlich alle zu einem großen Ganzen zusammenfügen  – oder auch nicht und dann bin ich am Arsch und ich hab gedacht, tougher zu sein als ich bin!

Beruflich möchte ich Inhalte für Schwarze Menschen, Indigenous People und POC schaffen, die sie bestärken, informieren, unterhalten und nicht nur als Sidekick oder plumpe Stereotypen für das weiße Publikum darstellen. Es ist mir außerdem wichtig, meinen Vater bei seinen wirtschaftlichen und kulturellen Projekten zu unterstützen, die er in seinem Heimatdorf Kelle Guèye, im Sénégal, realisiert. Es fühlt sich sogar wie eine Pflicht an, die ich aber gerne erfüllen möchte, da diese Aufgabe für mich eine enge Verbindung zu meinen sénégalesischen Wurzeln bedeutet.

Was war die größte Veränderung in deinem Leben?

Die größten Veränderungen in meinem Leben waren die, die sich schleichend vollzogen haben und die ich erst mit Abstand und einem Perspektivenwechsel als solche erkannt habe. Wenn ich gemerkt habe: Ok krass, diese Faktoren haben mit meiner Entwicklung etwas gemacht. Oder ich selbst habe aktiv gehandelt.
Es sind also Einflüsse von außen und aus mir selbst heraus, die stetig zu meiner Veränderung beitragen – ich sehe das also eher als dynamischen Prozess und nicht als einzelne voneinander getrennte Ereignisse.

Welche Veränderung wünscht du dir in Deutschland?

Dass deutschsein mit weißsein gleichgesetzt wird. Außerdem sollte sich Deutschland und seine Bildungspolitik intensiv mit der deutschen Kolonialgeschichte und die damit verbundenen Schuld auseinandersetzen – wie soll sich zukünftig etwas verändern, wenn die Vergangenheit nicht auf struktureller Ebene aufgearbeitet wird? Genau diese Einstellung führt auch dazu, dass Rassismus und Diskriminierung immer wieder bagatellisiert werden und koloniale Denkstrukturen weiterhin bestehen.

Es muss viel mehr Bewusstsein für die Diskriminierung von Menschen der LGBTTQIA+ Community innerhalb der Schwarzen Gemeinschaft geschaffen werden

Welche Veränderung wünscht du dir in der Black Community?

Ich wünsche mir ein größeres Verbundenheitsgefühl untereinander. Colourism ist leider wahrhaftig und führt dazu, dass auch unter Schwarzen Menschen eine systematische Degradierung auf Grund des skin tones erfolgt. Doch das schwächt uns als Community ungemein. Natürlich ist es wichtig und unerlässlich, dass light skinned Personen, sich ihre Privilegien gegenüber dark skinned Personen bewusst sind und deren Lebensrealitäten nicht auch mit dem Satz „I see no colour“ unsichtbar machen. Ein offenerer Dialog über diese Missstände innerhalb der Community könnte z.B. schon ein Anfang sein. Aber generell sind wir in Deutschland noch längst nicht an dem Punkt, an dem Schwarze Menschen, egal ob light oder dark skinned, überhaupt als dazugehöriger Teil der deutschen Gesellschaft wahrgenommen werden. Daher macht es keinen Sinn, die eigene Gruppe, die als Einheit durch kulturelle oder teils sogar sprachliche Diversität noch gar nicht auf festen Beinen steht, durch Colourism weiter zu zerfleischen.
Außerdem muss viel mehr Bewusstsein für die Diskriminierung von Menschen der LGBTTQIA+ Community innerhalb der Schwarzen Gemeinschaft geschaffen werden. Dies ist vielen nicht bewusst oder findet außerhalb ihrer Lebensrealität statt, aber es ist unvertretbar, dass Menschen einer marginalisierten Gruppe Diskriminierungsmechanismen in eigenen Reihen weiterführen. Dies führt zu einer noch größeren Spaltung und bewegt Schwarze Menschen vielleicht dazu, ihre Identität noch stärker zu problematisieren, als sie es auf Grund von Rassismuserfahrungen durch die weiße Mehrheitsgesellschaft ohnehin schon erfahren.

Wie und was möchtest du verändern?

Ich möchte RosaMag nutzen, um Geschichten und Stimmen von Schwarzen Menschen eine Plattform zu geben. Und wenn ich mich nicht ganz doof anstelle, dann stoße ich bei der einen oder anderen Person vielleicht Gedankengänge an, die sie für sich weiter spinnen und entwickeln kann. Außerdem möchte ich mich selbst mit dem Magazin verändern, d.h. meine Einstellungen und Ansichten hinterfragen, bereit dazu sein, Meinungen zu revidieren und mich unbekannten Themen zu öffnen.

Gib deinen Senf dazu!