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Nneka

Nneka Egbuna über Afrika und die Diaspora: „Wir sind verbunden. Wir brauchen einander.”

Fotocredit: Hugues Lawson

Im Gespräch mit der Sängerin Nneka Egbuna

„The World is my Teacher”, sagt die nigerianische Sängerin Nneka Egbuna und beschreibt damit ihren persönlichen und musikalischen Werdegang. Geboren und aufgewachsen ist sie in Warri, im Delta State in Nigeria. Die Mutter Deutsche, der Vater Nigerianer. Mit 18 Jahren kommt sie nach Hamburg, macht dort ihr Abitur und studiert Ethnologie, Anthropologie und Afrikanistik. Ihre echte Leidenschaft ist aber die Musik. In Hamburg taucht sie in die lokale Musikszene ein, kommt mit Hip Hop und R&B in Berührung und beginnt an ihrem eigenem unvergesslichen Sound zu arbeiten. Mit Erfolg. Das erste eigene Album, „Victim of Truth“ erscheint 2005 und bringt ihr weltweite Anerkennung. Seitdem hat sie noch vier weiter Alben aufgenommen. Das jüngste, „My Fairy Tales” veröffentlichte sie 2015. Wir haben uns mit der Künstlerin Nneka unterhalten, über ihre Musik, die Heimat in Nigeria, ihr Verhältnis zu Deutschland und die Frage, welche Rolle die afrikanische Diaspora für die Zukunft Afrikas spielt.

Du bist mit 18 Jahren nach Deutschland gekommen und hast für ein paar Jahre in Hamburg gelebt. Warum hast du Nigeria verlassen?

Ich musste Nigeria damals wegen Familiengeschichten und noch ein paar weiteren Gründen verlassen. Erst heute verstehe ich, dass es Teil des Schöpfers Plans war mich von einer meiner Wurzeln zur anderen zu bewegen. Zuerst habe ich das nicht verstanden. Mit den Jahren dämmert es mir allmählich. Trotzdem befinde ich mich immer noch im Prozess herauszufinden, was das alles soll. 

Und wann bist du nach Nigeria zurückgekehrt?

Ich habe Nigeria für sechs Jahre verlassen, ohne zwischenzeitlich zurückzugehen. Erst als ich herausgefunden habe, wie ich Nigeria mit anderen Augen sehen konnte, aus einem anderen Lebensgefühl heraus und es wirklich genießen konnte dort zu sein, bin ich nach Lagos gezogen. 

Hat sich deine Wahrnehmung in Deutschland verändert?

Ich habe mir viele Dinge gedacht, bevor ich aus dem Dorfleben in Warri herausgetreten bin. Das liegt daran, dass ich durch meine Erziehung nicht mit vielen Sachen in Berührung gekommen bin. Ich hatte keine Ahnung vom Westen. Ich hatte nicht mal eine Idee davon, wie Lagos aussehen könnte, als ich Warri verließ. Hochhäuser und weite Straßen. Ausländer*innen. Der Ozean. Die Brise. Das war mein erster Perspektivwechsel innerhalb des Landes. Noch einen Schritt weiterzugehen und das erste Mal ein Flugzeug zu betreten, war bedeutend. Schnee zu sehen. Kalte Luft in meinen Nasenlöchern zu spüren. Ich wusste, dass das ein neues Kapitel in meinem Leben sein würde und ich war bereit dafür, ohne Erwartungen. Ich würde mein Bestes tun. 

Hat deine nigerianisch-deutsche Identität dein Leben in irgendeiner Weise geprägt?

Ich glaube schon, obwohl ich sehr einseitig aufgewachsen bin, sehr nigerianisch. Trotzdem kann ich sagen, dass ich immer noch wachse. Die Welt ist mein*e Lehrer*in. Und ich werde von ihr geformt oder kann ich auch entformt sagen. 

Was inspiriert dich beim Songschreiben?  

Ich bin inspiriert durch…Stille und Bewegung…Nichts…Kultur… Geräusche…Egos…Bücher… Menschen…Gesichtsausdrücke…Musik…Empfindungen. 

Du mischst in deiner Musik verschiedene Stile, von Reggae, Hip Hop, R & B bis hin zu Soul und Afrobeat. Wie hat deinen einzigartigen musikalischen Sound geprägt?

Meine Umgebung. Das Aufwachsen in Warri. Die lokale Musikszene in den ländlichen Gegenden und die ausländische Musik, die im Radio gespielt wurde. Sehr viel christliche Musik und Lobpreisungen. Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich Menschen getroffen, die mir deep Hip Hop und R&B gezeigt haben. Ich hab mir viel von den Fugees angehört. Dann dachte ich mir, dass es mir Freude bereiten würde ein Instrument zu lernen. Also habe ich eine Gitarre in die Hand genommen und mir selbst beigebracht ein paar Akkorde zu spielen. 

In der der Vergangenheit habe ich viel Bob Marley gehört. Ich erinnere mich auch daran, dass mein Vater viel klassische Musik gespielt hat: Beethoven und Mozart, Strauss und weitere. Damals in Nigeria habe ich es genossen, ihnen zuzuhören . 

Nigerianische Musik bekommt derzeit weltweit sehr viel Aufmerksamkeit. Hast du Veränderungen in der lokalen Musikindustrie bemerkt?

Wir machen großartige Musik. Das haben wir immer gemacht, mit oder ohne internationale Anerkennung. Unsere Musik war immer funkig und rhythmisch. Musiker*innen, die sich drücken sich auf authentische Art und Weise über ihr Leben und Veränderungen aus. Viele benutzen die Musik als Plattform, um ihre Frustration oder ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Das machen sie mühelos. Genauso wie Fela [Kuti] es gemacht hat. 

In deinen Liedern sprichst du oft die afrikanische Diaspora an. Welche Rolle spielt sie in der Unterstützung des Kontinents?

Wir sind verbunden. Wir brauchen einander. Und das ist wunderbar. Durch diese Brücke können wir uns vernetzen, Afrika in die Welt bringen und auch wieder zurück. In diesen Zeiten ist es umso wichtiger, dass wir eine Einheit werden. 

In „Africa” ​​singst du: „Wake up, Africa, wake up and stop blaming. Open your eyes, eyes, stand up and rise!” Wie sind diese Botschaften heute für Nigeria und den Kontinent relevant?

Ich glaube, dass dies mehr eine Selbstreflexion geworden ist. Damit irgendjemand seine Augen öffnet, musste ich zurückgehen und mir meine eigenen Lyrics anhören. Um mich erst zu sehen. Dann die Welt, gespiegelt in und durch mich. Nur so können wir im Kollektiv wirklich Dinge sehen. Um wirklich irgendetwas zu verändern, müssen wir erst in uns selbst hineingehen. 

Im selben Lied singst du: „ But now we decide to use the same hatred to suppress our own brothers.” Wie können wir, angesichts der jüngsten fremdenfeindlichen Angriffe gegen Nigerianer*innen in Südafrika, mehr Zusammenhalt unter Afrikaner*innen schaffen?

Indem wir uns individuell vergeben. Indem wir wissen, wie mächtig wir sind. Indem wir uns unseres wahren Geisteszustandes bewusst sind, der friedlich ist. Diese Ereignisse sind größtenteils Ablenkung. Wir sind alles Gottes Kinder. 

Wie hat sich deine Musik von „Victim of Truth” zu „My Fairy Tales” entwickelt?

Es war eine konstante Veränderung. Ich lerne, verlerne und empfinde Dankbarkeit für jeden einzelnen Moment. Letzteres ist noch keine Gewohnheit geworden, aber ich arbeite daran. Alles in allem, lebe ich ein interessantes Leben…I am in it for the ride! 

Celia-Parbey

Celia

Celia macht derzeit ihren Master an der Humboldt Universität zu Berlin und arbeitet nebenbei als freie Autorin für verschiedene Online- und Printmagazine. Bei RosaMag kümmert sie sich um das Ressort Menschen und interviewt dafür spannende Schwarze Persönlichkeiten aus Deutschland und der Welt.

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