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Noraa Tchari

Noraa Tchari: “Die Musikindustrie ist mit vielen Stereotypen verbunden, was für mich leider von Vorteil ist”

Bild: Noraa Tchari

Im Gespräch mit Noraa Tchari

“Bist du aber ‘zu Schwarz‘, zu kurvig oder einfach nicht ‘attraktiv‘ genug, verschließen sich dir, als Frau in diesem Business, ganz schnell ein paar Türen,” so Noraa Tchari. Die Sängerin, Songwriterin und DJane lebt aktuell in Paris und hat ihr neuestes Album “Mixed Feelings” veröffentlicht. Wir haben mit ihr über ihr Leben als Künstlerin gesprochen, über Colorism, das für sie ein wichtiges, aber tabuisiertes Thema ist und darüber, wie ein Song entsteht. Lasst euch von Noraa verzaubern. Wir sind es bereits!

Wer bist du? 

Ich bin Noraa und ich bin Künstlerin. Meine Mama ist Deutsch und mein Papa kommt aus dem Tschad. Ich habe drei Schwestern mit denen ich zusammen in Köln aufgewachsen bin. Seit fünf Jahren lebe ich in Paris.

Was machst du?

Ich bin Sängerin. Ich schreibe auch alles selbst und habe vor kurzem angefangen für andere KünstlerInnen als Songwriterin zu arbeiten. Außerdem bin ich Teil eines Soundsystems, dass ich mit meinen Schwestern ins Leben gerufen habe. 

 

Was inspiriert dich? 

In erster Linie einfach Menschen und Gespräche, man erlebt ja nicht ständig selbst irgendwas, das einen dazu bewegt einen Song zu schreiben. Ich reise viel und komme daher ständig in Kontakt mit den unterschiedlichsten Charakteren, da bleiben dann öfters mal Geschichten oder Sätze hängen. Ansonsten kann ich immer über Liebe schreiben. Vor allem, wenn es dann mal weh tat. Ich arbeite jedoch  gerade daran, auch die schönen Aspekte von Beziehungen in mein Songwriting mit einzubeziehen. 

Wer warst du in deinem vorherigen Leben?

Bin zu realistisch für solche Überlegungen, aber falls Tiere auch zählen dann wohl eine Katze. 

https://www.instagram.com/p/B1O0AZgI3D9/

Gab es einen Schlüsselmoment?

Ich glaube es gab mehrere kleine Momente in denen mir klar geworden ist, dass ich Musik machen muss, die wurden dann mit der Zeit nur häufiger und am Ende musste ich einfach „nachgeben”. Ich hab mich bis Mitte zwanzig mit der Idee schwer getan mein Masterstudium sausen zu lassen, um mich Vollzeit auf eine Musikkarriere zu konzentrieren. 

Eines meiner wichtigsten Momente war aber wahrscheinlich, der in dem ich auf dem Geburtstag von meinem Cousin zum ersten Mal einen Song von mir gespielt habe und alle stumm gelauscht haben und mich dann überredet haben den Song mehrmals zu spielen. Ich hatte ihm am selben Tag erzählt, dass ich scheinbar am Vorabend sowas wie einen Song geschrieben hab und auf keinen Fall vor hatte den irgendjemandem zu zeigen. An dem Tag hab ich einfach erlebt  wie etwas was ich geschrieben und komponiert habe, andere berühren kann. Das war ein besonderes Gefühl und hat mich ermutigt richtig anzufangen.

Erzähl mehr über deine Musik:

Ich glaube meine Musik spiegelt mein Wesen relativ gut wieder. Meine Songs haben immer etwas warmes und entspanntes. Ich hasse nichts mehr als Stress und dementsprechend ist mein Sound meistens midtempo, gefühlvoll und zum Viben. Außerdem bin ich sehr sensibel, was man im Alltag vielleicht nicht so von mir mitkriegen würde. Ich lebe diese Seite eher in meiner Musik aus. Auch inhaltlich schreibe ich gerne über Dinge oder Gefühle, die ich so direkt manchmal nicht über die Lippen bekomme.

Wie würdest du dein Genre beschreiben?

Ich denke irgendwas zwischen Pop Soul und R&B. 

Wie identifizierst du dich?

Ich habe das Gefühl, dass diese Frage mir immer schwieriger fällt. Kommt auch drauf an, wo ich gerade auf der Welt bin. Aber generell wohl Afrodeutsch. Im globalen Kontext Black oder POC, aber egal wo auf der Welt, irgendwo läuft immer einer rum, der dir die von dir genannte Identität wieder absprechen möchte. Zu hell, zu dunkel, um das eine oder das andere zu sein. Ich führe solche Unterhaltungen nicht mehr.

Was ist deine Botschaft?

Es gibt viele Dinge, die mir am Herzen liegen, aber vor allem sage ich immer “Life is Short”! Sieh zu, dass du am Ende irgendwie sagen kannst, dass du glücklich warst und nicht immer nur aufs Wochenende gewartet hast. Ich kenne so viele Leute, die irgendwas machen, weil es „sicher” ist oder so, aber am Ende haben alle Depressionen und werden bitter. Also ja, ich will die sein, die dir sagt: Du kannst das, mach einfach! Ich hab auch Menschen gebraucht, die so mit mir geredet haben und dafür bin ich für immer dankbar. Wenn Menschen mit ihrem Leben zufrieden sind, besteht außerdem weniger Gefahr ein rassistisches, homophobes, menschenverachtendes Arschloch zu sein und somit hat man dann mehrere Fliegen mit einer Klatsche geschlagen. 

https://www.instagram.com/p/BwAOmYHHCB3/

Gibt es, als Schwarze Frau, mehr Steine im Weg in der Musikindustrie?

Als Frau hat man es definitiv schwieriger. Diese Erfahrung mache ich immer wieder. Auf Festivals spielen fast nur Männer, bei Songwriting Camps bin ich meistens die einzige Frau und als Djane sind die Leute überrascht, wenn du Skills hast, weil sie dich ja eigentlich nur wegen deinem Look gebucht haben. 

Jetzt zum Schwarz sein: So schlimm es sich anhört, aber als „nicht ganz Schwarze”, also „Mixed Race” Frau, die Soul/Pop/RnB macht, habe ich in meinem Genre so ziemlich keinen Nachteil. Ich entspreche optisch so ziemlich genau dem, was man weltweit, aber auch vor allem in Frankreich von einer Sängerin in meinem Genre erwarten würde. Das ist natürlich mit vielen Stereotypen verbunden, aber insgesamt ist das für mich leider eher ein Vorteil. Bist du aber „zu Schwarz”, zu kurvig oder einfach nicht „attraktiv” genug, verschließen sich dir als Frau in diesem Business ganz schnell ein paar Türen. Colorism is real und wir sollten offener darüber reden können, auch wenn das Thema in Deutschland noch sehr tabuisiert wird, wie ich finde. 

Wo fühlst du dich zuhause?

Ich bin sehr anpassungsfähig und habe keine besondere emotionale Bindung zu Städten oder Ländern, aber wenn ich meine Familie und Freunde um mich habe, egal wo, fühle ich mich zuhause. 

Da das oft nicht der Fall ist, habe ich aber gelernt, mich überall zuhause zu fühlen, wo ich länger bin. 

Wie verläuft dein kreativer Prozess? 

Ich nehme ständig und überall, wo mir was einfällt Voice Memos auf. Meistens nur Melodien, dann setze ich mich ans Klavier oder an die Gitarre und probiere es aus. Wenn ich dann wirklich was gut finde, überlege ich welche*r Produzent*in zu dem Song passen könnte, also welchen Sound ich will.  In letzter Zeit habe ich aber auch oft gezielte Writing Sessions. Manchmal schreibe ich, aber auch einfach wochenlang gar nichts. Das ist auch ok. 

Ein Online-Lifestylemagazin für afrodeutsche Frauen schaffen. Genau das hat sich die 29-jährige Berlinerin in den Kopf gesetzt. Nun ist Cianis Traum wahr geworden. RosaMag informiert, inspiriert und empowert Schwarze Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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