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Audrey Boateng

Rosellas im Interview: Audrey Boateng

Im Gespräch mit Audrey Boateng, Schauspielerin, Model und Aktivistin 

Audrey ist 18 Jahre alt. Zwischen Modeljobs, Schauspielgigs und dem Abitur hat sie ihre Organisation Boaudsappeal gegründet. Die Hamburgerin hat sich einige Ziele gesetzt. So möchte sie mit dem Modeln, andere schwarze Frauen bestärken sich und ihre eigene Haarstruktur zu lieben. Audrey schreckt vor Herausforderungen nicht zurück, ganz im Gegenteil: Sie geht Wege, die rudimentär sind, unbetreten, um eine Veränderung hervorzurufen. Ich bin beeindruckt von ihrer Tiefgründigkeit, in einem Alter, wo ich mich eher für Jungs und Oberflächlichkeiten interessierte, schultert sie bereits die großen Lasten unserer Gesellschaft, um für afrodeutsche Frauen einen Wandel herbeizuführen. Ich musste diese beeindruckende junge Persönlichkeit kennenlernen:

Was machst du?

Ich bin Schülerin und mache gerade mein Abi. Nebenbei bin ich als Model und Schauspielerin tätig und führe eine  Organisation.

Was inspiriert dich?

Mich inspiriert sehr, sehr vieles. Worin ich Inspiration finde, ist in meiner Familie, in meinem Freundeskreis und in Menschen um mich herum. Mich inspiriert der Erfolg anderer Menschen. Es ist so beeindruckend, wenn Menschen Dinge mit anderen Augen sehen, mit anderen Perspektiven oder etwas nehmen, was wir im alltäglichen Leben sehen und daraus was komplett anderes machen. Kunst machen.

Warum hast du mit dem Modeln angefangen?

Es ist nicht einfach sich als schwarzes Mädchen in dieser Branche durchzusetzen. Und genau weil es nicht einfach ist, wollte ich mich dieser Herausforderung stellen, um für andere junge Frauen, junge schwarze Frauen, Türen zu öffnen. Das Modeln hat mich aufgebaut und stärker gemacht. Es gibt so viele wunderschöne schwarze Frauen, die sich nicht trauen in dem Bereich präsenter zu sein oder da erst gar nicht einsteigen wollen und das aufgrund ihrer Haar-Textur. Viele haben Angst dadurch abgelehnt zu werden oder denken, dass sie schöne glatte Haare brauchen, um akzeptiert zu werden. Ich hatte anfangs genau die gleichen Probleme, genau die gleichen Befürchtungen, aber ich fing an meine Haare nicht nur als Haare zu sehen, sondern als eine Krone, die ich trage. Alternativ gibt es ja auch Perücken, aber bevor man darauf zurückgreift, sollte man erst die eigene Krone lieben.

Eine schwarz-weiß Aufnahme von Audrey Boateng

Erzähl ein wenig über deine Organisation:

In Boaudsappeal, geht es darum hilfsbedürftigen Kindern in Ghana zu helfen. Ihnen die Möglichkeit zugeben ein Dach über ihren Kopf zu kriegen, Bildung erfahren zu dürfen, zu wissen, dass es Hoffnung und Zukunft für sie gibt. Überwiegend wird es um Kinder gehen, aber es ist uns auch wichtig, dass Eltern vor allem Mütter, die Chance erhalten, aufgeklärt zu werden. Wie unter anderem bezüglich der Geburtenregistrierung, ihrer Rechte uvm., denn es herrscht ein Mangel an Wissen hinsichtlich der rechtlichen Aspekte in abgelegenen Gebieten. Und ich hoffe, dass wir eine kleine Veränderung machen können.

Was machst du da genau?

Also wir sind gerade in der Entwicklungsphase und arbeiten an T-Shirts für die Mitarbeiter*innen und fangen mit kleinen Aktionen an. Zum einen, dass man zweimal im Monat außerhalb der Stadt ist, vielmehr in Dörfern oder in abgelegenen Orten, um den Kindern dort und deren Eltern mit Kleidung, Wasser und Essen zu versorgen. Manchmal spende ich selber Kleidung, die ich nicht mehr brauche. Das Gute an der Sache ist natürlich, dass sie mich immer auf dem Laufenden halten.

Das heißt, dass ich über alles informiert werde und zwischendurch meine Eltern vorbeischauen.

Warum hast du sie gegründet?

Gab es einen bestimmten Schlüsselmoment? Die Motivation hinter dieser ganzen Organisationen fing schon sehr früh an. Ich nahm 2015 an einem Projekt namens “Unart” Teil und das Thema, was ich und meine Freundin behandelten, waren „Flüchtlinge in Hamburg”. Schon im jungen Alter war es mir wichtig anderen zu helfen. Unsere Message war dabei einfach: Den Menschen zu zeigen, dass man nie zu jung ist etwas Gutes zu tun, dass wir in unserem jungen Alter schon Menschen helfen können. Jeder kann es machen und genau mit dieser Motivation bin ich eingestiegen. So gegen Sommer 2016 bin ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern nach Ghana geflogen. Wir waren sehr oft in der Stadt und sind dann spontan auf einem Flohmarkt gegangen. Dort sah ich Kinder an fast jeder Ecke sitzen, die entweder nackt waren oder weinten. Es tat mir so weh, zu sehen, dass sich niemand um diese Kinder kümmern wollte. Das war ein Schlüsselmoment, wo mir klar wurde, dass ich was unternehmen muss. Und dass was mein Gefühl bestätigte, war das Lachen von einem kleinen Mädchen, der ich Geld in die Hand drückte, damit sie sich etwas zu essen holen konnte.

Eine schwarz-weiß Aufnahme von Audrey Boateng

Wie schaffst du eine Balance zwischen der Orga und der Schule?

Es ist nicht einfach, aber man muss sich bei der Balance Prioritäten setzen und schauen, in welchen Bereichen man vielleicht Unterstützung bräuchte. Es ist sehr wichtig, ein Supportsystem zu haben, Leute zu haben, die dich unterstützen und dir unter die Arme greifen. Und das ist es, was mir aktuell hilft. Meine Eltern nehmen mir, wenn es z.B um die Organisation geht, sehr viel ab und schauen zwischendurch auch vorbei und sorgen dafür, dass alles läuft, während ich in der Schule bin.

Welchen Herausforderungen müssen sich schwarze junge Frauen in unserer Gesellschaft stellen?

Einer der größten Herausforderungen, die sich eine junge schwarze Frau stellen muss, ist Rassismus und Akzeptanz. Und mit Rassismus meine ich nicht nur Rassismus von außen, sondern auch internen Rassismus. Man hört sehr viel darüber, es wird sehr viel darüber geredet, aber als Frauen bekommen wir das auf einer ganz anderen Art zu spüren. Im Allgemeinen ist es schon schwierig für uns schwarze Frauen in dieser Gesellschaft, aber dann auch noch diesen ganzen Eigenhass spüren zu müssen ist echt traurig. Das sind auch Dinge, die dazu führen, dass sich schwarze Frauen in der heutigen Zeit nicht selbst lieben können. Es ist wichtig, dass wir uns diesen Herausforderungen stellen, damit wir nicht darin untergehen. Rassismus hindert uns von so vielen Dingen, es hält uns von so vielen Möglichkeiten ab und es schließt Türen, die eigentlich für uns offen stehen. Und genau deswegen ist es wichtig, dass wir als Queens uns gegenseitig stärken und supporten.

Was würdest du anderen Frauen raten, wenn sie auch Lust haben eine Organisation zugründen?

Ich würde anderen Frauen raten, dass nachdem sie die Vorstellung haben etwas auf die Beine zu stellen auch die Motivation bekommen diese umzusetzen. Bei sowas muss man sich immer darauf einstellen, dass es Menschen geben wird, die immer eine andere Meinung haben und “ haten“, aber man darf sich nicht davon beeinflussen lassen. Es wird natürlich mal ups und downs geben, es wird natürlich mal anstrengend und natürlich hat man mal das Gefühl aufgeben zu wollen, aber vergiss nie wieso du angefangen hast. Mein Motto: „remember why you started“

Und zum Schluss: Was steht bei dir demnächst an?

Was können wir in den nächsten fünf Jahren von dir sehen? Ich bin kurz davor jetzt mein Abitur zu absolvieren. Nach dem Abitur habe ich vor, mich voll und ganz auf die Organisation, das Schauspielern und das Modeln zu fokussieren. Ich stehe seit April 2018 bei Black Universe Agency unter Vertrag und es kamen schon so viele große Aufträge die ich aber alle ablehnen musste, weil ich gerade in der Schule bin. Und deshalb freue ich mich umso mehr mich dem ganzen widmen zu können. Wenn ich am Ball bleibe, wird es hoffentlich in den nächsten fünf Jahren viel von mir zu hören geben.

Audrey Boateng

Ein Online-Lifestylemagazin für afrodeutsche Frauen schaffen. Genau das hat sich die 29-jährige Berlinerin in den Kopf gesetzt. Nun ist Cianis Traum wahr geworden. RosaMag informiert, inspiriert und empowert Schwarze Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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