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Luisa Löffel Afro Albinismus

Rosellas im Portrait: Luisa Löffel // Afro-Albinismus

Im Gespräch mit Luisa 

Die 22-jährige Luisa ist die vorletzte Tochter von insgesamt elf Kindern, lebt in Bergisch Gladbach und ist eine junge afrodeutsche Frau mit Albinismus. Wir haben mit Luisa über Klischees, die ihr im Alltag begegnen gesprochen, was sie in ihrem Heimatort Kongo plant und warum die Modewelt, obwohl sie sehr an ihr interessiert ist, nichts für sie ist.

Wer bist du?

Ich bin Luisa, das vorletzte von 11 Kindern und bin zum jetzigen Zeitpunkt 22 Jahre alt. Ich lebe in Bergisch Gladbach, eine kleine Stadt in der nähe von Köln und studiere Medien und Wirtschaftspsychologie. Ab und zu model ich auch.

Was inspiriert dich?

Mich inspirieren so viele Dinge, vor allem starke weibliche Persönlichkeiten wie z.B. meine Mutter, meine Schwester meine alte Deutschlehrerin, mit der ich bis heute noch Kontakt habe und meine beste Freundin. Kulturen sind auch sehr große Inspirationsquelle für mich, egal ob die kongolesische, türkische oder französische, dies spiegelt sich oft in meinen Outfits wieder.

Warum hast du mit dem Modeln angefangen? 

Tatsächlich wolle ich nie modeln. Mit 17 Jahren bin ich in die Branche reingerutscht und habe dann für einige Jahre weiter gemacht bis ich dann vor ca 2 Jahren bemerkt habe, dass die Modelindustrie nichts für mich ist und Deutschland generell was diversity angeht noch viel zu sehr am Anfang steht. Ich mag zwar sehr außergewöhnlich aussehen jedoch bin ich mit 1,66m und einer recht weiblichen Figur zu klein und zu „dick“ für den Standart und das habe ich mehrmals spüren müssen. 

Wenn ich Anfragen bekomme, die mir gefallen und die ich vertreten kann model ich gerne. 

Wie verbringst du am liebsten deine Freizeit? 

Am liebsten verbringe ich meine Freizeit mit meinen Freunden und Familie. Wir machen dann alles mögliche, verreisen, gehen in Museen oder tanzen.

Welchen Herausforderungen müssen sich junge Frauen mit Albinismus stellen? 

Erst einmal möchte ich dir sagen wie schön ich es finde wie du diese Frage formuliert hast. Viele sagen „Albinos“ und das hören wir sehr ungern. Es gibt uns das Gefühl als ob Menschen uns als andere Spezies sehen.

Wir bevorzugen „Menschen mit Albinismus“

Ich weiß garnicht wo ich anfangen soll. 

Die größte Herausforderung ist das Sehen. Vielen ist es nicht bewusst, was Albinismus mit sich bringt. Betroffene sehen mit und ohne Brille sehr schlecht und sind sehr Blendungsempfindlich, da wir kaum bis wenige Pigmente in unseren Augen habe. Damit in Großstädte, wie Berlin, zurecht zu kommen, kann sehr schwierig sein.

Als Frau mit Albinismus ist es besonders schwer das passende Make-up zu finden. Bis vor kurzen hat keine Drogerie so helles Make-up verkauft, welches ich problemlos benutzen konnte.

Als Jugendliche musste ich immer mein Taschengeld sparen oder mir zu Weihnachten High-end Schminke wünschen, die es in meiner Nuance gab.

Zudem muss man sich ein dickes Fell wachsen lassen. Ein großer Aspekt ist die Aufmerksamkeit, die man bekommt. Es wird oft über einen geredet wenn man irgendwo erscheint, egal ob positiv oder negativ. Das kann echt nervig sein, vor allem wenn man einen schlechten Tag hatte.

Was ist das häufigste Vorurteil, dass dir im Alltag begegnet? 

In Köln leben mehrere mit Albinismus und drei davon (die ich kenne, mich eingeschlossen) haben einen afrikanischen Hintergrund, deswegen denken sehr viele das wir Geschwister wären, was wenn man darüber nachdenkt rassistisch ist. Man sagt ja nicht das jeder aus China miteinander verwandt ist. 

Ein weiteres Vorurteil ist das sehr viele denken, dass es in ganz Afrika gefährlich ist mit Albinismus zu leben, dass man unabhängig in welchem Land man ist verfolgt wird, was selbstverständlich nicht zutrifft. Mein Opa und mein Onkel, die beide Albinismus haben leben und lebten ein sorgloses Leben in Kongo und werden und wurden von der Gesellschaft akzeptiert.

Viele sind auch verwundert, dass ich keine weissen Haare oder rote Auge habe, dabei gibt es unterschiedliche Arten von Albinismus bei anderen (oftmals Europäer mit Albinismus) sind überhaupt keine Pigmenten an Haut, Haar und Augen vorhanden, sodass Sie sehr helle blaue Augen haben und bei einer gewissen Lichteinstrahlung rot wirken und sehr helle Haut und Haar.

Ich habe sehr sehr wenige Pigmente das macht sich aber Bemerkbar, da ich weisse Haut mit einem gelben Unterton habe und grün/blaue Augen.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was wär es? 

Das ist eine sehr schwierige Frage, weil es so viele Wünsche gibt und es mir schwer fällt mich für eins zu entscheiden.

In diesem Zusammenhang würde ich sagen, dass mein größter Wunsch Akzeptant wäre. Ich wünsche mir eine Welt in der jeder Mensch unabhängig vom Aussehen, Kultur, Geschlecht und Religion  akzeptiert wird und nicht für diese unterdrückt oder ignoriert wird, weil sie für gewisse Menschen eine von Menschen erstellten geringeren Wert haben.

Und zum Schluss: Was steht bei dir demnächst an?

Ich habe es mir als Lebensaufgabe gemacht eine Organisation zu gründen für Menschen mit Albinismus in Afrika, besonders in meinem Heimatland Kongo. In meinem Leben habe ich oft  unterschiedliche Menschen mit Albinismus kennengelernt und wir teilen die selben Schwierigkeiten, aber in einem Land wie Deutschland haben wir es nicht sonderlich schwer gehabt. Wir wurden seit unserer Kindheit gefördert und unterstützt, ich hatte die Möglichkeit mich über meine Krankheit zu beschäftigen und diese zu verstehen. In meinem Heimatland, sowie in anderen afrikanischen Ländern sieht es nicht so aus.

Ich würde gerne Aufklärungsprogramme machen in denen ich sie aufkläre, mit Sonnenbrillen, Sonnenkreme und Kappen ausstatte und den Mädchen und Frauen Make-up und Styling-Kurse geben. Ich möchte Ihnen zeigen, dass ihre weiße Haut den perfekten Teint hat, ihnen beibringen ihre blonden Haare mit stolz zu tragen und sie keine Schwarzen Weaves tragen müssen oder ihre Haare dunkler färben müssen, um „schön“ zusein. Ich hoffe, dass man in den nächsten 5 Jahren Schritte in diese Richtung von mir sieht.

Gib deinen Senf dazu!