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Miriame Manette Anescar-Schundelmeier

Rosellas im Portrait: Mikah

Im Gespräch mit Miriame Manette Anescar-Schundelmeier

Mikah führt eine „heimliche Revolution“ an: Sie fotografiert Menschen, die viel zu selten im Zentrum stehen. Mikahs Vision ist erst erfüllt, wenn alle Menschen sich an die Hände fassen und einander unterstützen. Wir haben mit der 26-jährigen über ihre Arbeit gesprochen und ihre Ziele und vor allem die Frage: Warum hat sie auf Instagram den provokativen Namen @derquotenneger erfragt. Schaut jetzt hinein:

Wer bist du? 

Mein bürgerlicher Name ist (bislang noch) Miriame Manette Anescar-Schundelmeier. Ich bin Adoptivkind, Person des Dritten Personenstandes, freischaffender Künstler und leidenschaftlicher Weltverbesserer. 

Was machst du? 

Ich habe mich darauf spezialisiert, Portraits von marginalisierten Personen(-gruppen) zu veröffentlichen und diese zu einem festen Bestandteil von Fashion- und Beautyfilm- und fotografie werden zu lassen. Man kann fast sagen, ich führe eine heimliche Revolution an. 

Was inspiriert dich? 

Meine Umgebung, die Natur, Musik und Tanz, Aktivisten auf Instagram, zwischenmenschliche Beziehungen und Anthropologie, Politik und Gesellschaft. Eigentlich alles, was irgendwie mit dem Leben zu tun hat.

Wie lange bist du schon Fotografin? 

Ich stehe gerade am Beginn meiner Karriere!

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? 

In erster Linie tabu. Gerade in der Schönheits- und Modeindustrie wird bislang noch viel zu selten mit alternativen Models gearbeitet. Das halte ich für extrem problematisch. Unsere Gesellschaft ist vielfältig und zwei der größten Industrien weltweit sollten dies auch widerspiegeln. Jeder Mensch ist einzigartig und strahlt etwas Besonderes aus. Ich versuche einfach nur, dies festzuhalten und unter so vielen Menschen wie möglich zu verbreiten.

Wie identifizierst du dich? 

Ich identifiziere mich als schwarz, afrikanischer Abstammung, Haitianischer Staatsbürger, Afro-Deutsch, queer, LSBTIQA*-Person, nonbinär, Person des Dritten Personenstandes und Queen. Hahaha. Ich akzeptiere jedoch alle Pronomen, sowohl die weiblichen, als auch die männlichen und besonders gern die gender-neutralen!

Wieso heißt du @derquotenneger auf Instagram?

Gute Frage. Das ist eine längere Geschichte. Der Name wurde mir mal aufgedrückt in meiner Feierzeit, weil ich in den Runden häufig die einzige schwarze Person war. Als ich mich dann entschieden habe, Instagram als Plattform für meine kreativen Projekte und meine Anti-Rassismus-Arbeit zu nutzen, musste ich wieder an diese Zeit denken und die Selbstverständlichkeit mit derer mich Weiße* Menschen so bezeichnet haben, ungeachtet meiner Bitten, dies nicht zu tun und das N-Wort generell aus ihrem Wortschatz zu streichen. Somit könnte man sagen, ich hab damit ein persönliches, soziales Experiment gestartet, weil ich sehen wollte, wer in meinem Umfeld alles darauf reinfällt und den Namen laut ausspricht. Und um die Möglichkeit dann zu nutzen, um über Alltagsrassismus aufzuklären. 

Was ist deine Botschaft? 

Jeder Mensch, ungeachtet seiner Hautfarbe, Herkunft, sozialen Prägung, Nationalität, Identifikation mit Geschlecht, Sexualität usw. hat es verdient, bedingungslos geliebt, geachtet und geschützt zu werden. 

Wie lange bist du schon politisch aktiv? 

Ich schätze, mein Leben lang. Meine Eltern sind sehr politisch aktiv in ihrer Gemeinde und das hat abgefärbt. Ich habe früh gelernt, dass mir die Welt kaum etwas schenken wird und dass ich für alles hart arbeiten und kämpfen muss, was ich mir von einem reichen Leben wünsche. Zum Journalismus habe ich 2011 über die Jugendpresse Deutschland gefunden, für die ich bis 2014 als aktives Mitglied Verantsaltungen mitorganisierte und als freie Autorin für das unabhängige Jugendpolitmagazin “Politik Orange” schrieb. Einer meiner ersten Artikel trug die Überschrift “Who run the world” und beschäftigte sich mit der Bedeutung und Geschichte von Feminismus und der Wichtigkeit von Netzwerken. 

Gab es einen Schlüsselmoment, wegen dem du gestartet hast?

Ich wollte schon von Kindesbeinen an Geschichten erzählen, die sonst niemand erzählen will. Mein Schlüsselmoment geht also weit zurück, lange bevor es Instagram gab. Mein Opa hat mir damals zu meinem neunten Geburtstag ein Tagebuch geschenkt. Und gesagt: jetzt kannst du alles niederschreiben, was du den anderen Erwachsenen auch versuchst zu sagen, die dir aber nicht zuhören. Er hat mich immer in meiner Neugierde und meinem Bestreben, die Welt zu erkunden und zu verbessern unterstützt. Und ich weiß, er sieht mir heute noch von oben zu und ist stolz auf mich.

Was ist für dich deine größte Errungenschaft? 

Wenn sich eine Person in meinen Fotos sieht und sagt: wow. Wenn sich ein Mensch in meinen Worten wiederfindet und sagt: du brichst da was in mir auf. Wenn wir uns eines Tages alle an den Händen fassen und einander auf globaler Ebene annehmen, lieben und unterstützen können. Dann kann ich mich zur Ruhe setzen und den Rest meines Lebens nur noch in vollen Zügen genießen hahaha. Mal gucken, wie es läuft. 

Was ist für dich deine größte Errungenschaft? 

Wenn sich eine Person in meinen Fotos sieht und sagt: wow. Wenn sich ein Mensch in meinen Worten wiederfindet und sagt: du brichst da was in mir auf. Wenn wir uns eines Tages alle an den Händen fassen und einander auf globaler Ebene annehmen, lieben und unterstützen können. Dann kann ich mich zur Ruhe setzen und den Rest meines Lebens nur noch in vollen Zügen genießen hahaha. Mal gucken, wie es läuft.

Inwiefern fließen deine persönlichen Erfahrung in deine Arbeit hinein? 

Meine Erfahrungen und ich sind eins. Alles, was ich aus meiner Kreativität schöpfe, hat unweigerlich mit mir zu tun. Meine Arbeit verkörpert meine Sehnsüchte, in der Welt ein Zuhause zu finden und vor allem, von der Welt gesehen zu werden. Weil ich es mir so sehr für mich wünsche, will ich es automatisch auch Anderen geben. 

Welchen Herausforderungen müssen sich schwarze Künstlerinnen heute stellen?

Für mich ist die größte Herausforderung, die Balance zwischen meiner persönlichen Heilung und meinem schier nicht zu bremsenden Ehrgeiz zu finden. Auch mal gut sein lassen. Um mich dann wieder, wenn es wirklich drauf ankommt, mit all meiner Kraft, einzusetzen.

Und zum Schluss: Was steht bei dir demnächst an? Was können wir in den nächsten fünf Jahren von dir sehen? 

Hmm, zunächst mache ich mir in Freiburg und der Region einen Namen. Mein Hauptfokus ist daher gerade als Basis für meine Arbeit ein festest und starkes Kontaktnetzwerk aufzubauen und zu pflegen. Nebenbei arbeite ich an einem sehr großen und diversen kleineren Projekten, die noch nicht spruchreif sind. Und für 2019 plane ich eine Weltreise, um den Spuren von Menschen afrikanischer Abstammung auf den Grund zu gehen. In den nächsten fünf Jahren könnt ihr mich dabei beobachten, wie ich meine Produktionsfirma erweitere, meine eigene Modelkartei verwalte und international Erfolge feiere und die Black Community zusammenschweiße. Das ist zumindest das Vorhaben und der Traum. Und ich freue mich sehr, dass ich darin schon euren vollen Support im Rücken habe. Ich kann kaum in Worte fassen, wie viel mir das bedeutet.

Begleitet Mikah auf ihrer Reise und schaut euch ihr Portfolio auf Instagram an.

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