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Angry Black Woman

Wie das Bild der “Angry Black Woman” Schwarze Frauen stigmatisiert und krank macht

Warum gibt es ein strukturelles Verlangen, die Wut von Schwarzen Frauen abzusprechen? Das, obwohl es eine gigantische Palette an Gründen gäbe? Ein Kommentar 

Sie war wütend. Ihre Wangen leuchteten in einem sanften karminrot, ihre Stimme wurde energischer, drängender, erbarmungsloser. Meine Mutter stand in einem Geschäft. Ich war acht Jahre alt und beobachtete die Szene. Ihre Wut bahnte sich durch den gesamten Laden und das Gesicht ihres Gegenübers wurde hart und kalt. Sie hörten ihr nicht mehr zu. Sie taten sie als irrational, anstrengend und kompliziert ab. Verfielen in eine Abwehrhaltung. Das war nur eine von vielen Momenten, in denen ich lernte: Frauen dürfen nicht wütend sein. Wut ist eine als männlich angesehene Emotion. Unsere kulturellen Erwartungen an Geschlechterrollen, hält Mädchen und Frauen weltweit davon ab, ihre Wut auszudrücken. Dabei ist Wut eine Kraft, die sozialen Wandel hervorrufen kann. Eine aus biologischer, psychologischer und philosophischer Sicht essentielle Emotion, die, wenn sie nicht ausgelebt wird, in ernsthaften psychischen und gesundheitlichen Problemen endet. Wut ist ein Gefühl, dass ich stets hinunter schluckte, weil ich dem Bild der “Angry Black Woman” nicht entsprechen wollte. Nicht als zickig, schwierig, laut, emotional oder unprofessionell wahrgenommen zu werden. Warum gibt es ein strukturelles Verlangen, die Wut von Schwarzen Frauen abzusprechen? Das, obwohl es eine gigantische Palette an Gründen gäbe? 

Angry Black Woman

“Anger confirms masculinity. 

And it confounds femininity,” 

Soraya Chemaly.    

Internalisierte Wut ist nicht die Lösung

Die Schwarze Juraprofessorin Trisha Jones erklärte der BBC: Schwarze Frauen sollen sich nicht wehren. “Und tun sie es doch, werden sie als aggressiv wahrgenommen. Bedrohlich. Laut.” Was sie damit meint ist, trotz der Tatsache, dass Schwarze Frauen verdammt viele Gründe haben, um so richtig wütend zu sein – ungleiche Bezahlung, unlautere Arbeitspraktiken, unangemessene und oft gefährliche körperliche Erwartungen, ungehemmte sexuelle Belästigung und Missbrauch, ungezügelter Sexismus, Rassismus und Diskriminierung am Arbeitsplatz und Zuhause, Exotisierung, um nur einige zu nennen – wird Wut, wie das Buch “Rage Becomes Her” von Soraya Chemaly erklärt (große Leseempfehlung), immer noch als Tabu-Emotion für Frauen angesehen. Die Lösung lautet nicht, sich nicht zu wehren, denn die Wut, die Schwarze Frauen einfach herunterschlucken, haben ernsthafte Folgen. Internalisierte Wut beeinflusst unsere Beziehungen, unser Aussehen, unseren Körper, Essgewohnheiten, führt zu Selbstverletzung, einem mangelnden Selbstwertgefühl, erhöhte Angstzustände, Burnout und hat ernstzunehmende Krankheiten zur Folge. 

Was ist Wut? 

Biologen/innen beschreiben Wut, als ein Gefühl von Schmerz, Unbehagen oder Angst, begleitet von Hormonen, wie  Adrenalin, die den Blutdruck erhöhen. Aus philosophischer Sicht ist es eine Antwort auf das Gefühl, auf etwas, das die eigenen Werte verletzt oder verfehlt hat. Psychologen/innen klassifizieren sie oft als sekundäre Emotion, die aus einer primären Reaktion wie Angst oder Scham folgt und viele affektive Formen annehmen kann, von Tränen über Schreien bis hin zum Schweigen.

Wut ist eine Reaktion auf Ungerechtigkeit 

In “Rage becomes her”, erläutert Soraya Chemaly, dass Frauen im Alter von achtzehn bis vierundvierzig Jahren fast doppelt so häufig von Erschöpfung berichten als Männer; Frauen erleben weniger Orgasmen, zumindest wenn sie Sex mit Männern haben; Sie verdienen weniger Geld als ihre männlichen Kollegen; von den dreißig am höchstbezahltesten Berufsgruppen werden sechsundzwanzig von Männern dominiert, während Frauen dreiundzwanzig der dreißig am wenigsten bezahltesten Kategorien dominieren; Weibliche Patientinnen werden seltener wegen Schmerzen behandelt als männliche Patienten, die mit den gleichen Symptomen auftreten; jede vierte Frau lebt mit häuslicher Gewalt; jede fünfte Frau wurde bereits sexuell angegriffen und zwei Drittel der Frauen haben Catcalling, Straßenschikane, erlebt. Etwa die Hälfte von ihnen, bevor sie überhaupt siebzehn Jahre alt wurden. Chemaly balanciert diese Statistiken geschickt mit grimmigen Geschichten aus, um sie zu veranschaulichen, so dass der kumulative Effekt der Lektüre ihres Buches nicht nur darin besteht, den Zorn der Frauen zu legitimieren, sondern es erstaunlich zu machen, dass wir nicht noch wütender sind.

Ohne Wut gibt es keinen gesellschaftlichen Wandel

Frauen fühlen Wut genauso häufig, wie Männer. Sie schlucken sie nur hinunter, weil unsere Gesellschaft eine lächelnde und sanfte Frau belohnt. Die Wahrheit ist: Wir wollen weiße Menschen – die uns, laut Studien bereits als Schmerzresistenter wahrnehmen, aufgrund der langen kolonialen Historie, seit den 1950er Jahren in der US-Popkultur als unmoralisch, laut und als “Angry Black Woman” verkörpert sehen – keinen Grund geben, zu denken, dass wir irrational verärgert sind, denn so wird die von einer Schwarzen Frau geäußerte Wut, laut Studien, normalerweise interpretiert. Aber der Haken daran ist: Wenn du nie wütend bist, akzeptierst du den Status-Quo. Es legitimiert, dass tief verwurzelte Vorurteile über Race und Geschlecht überdauern. Rassismus, Sexismus, Diskriminierung, die für uns als Schwarze Frauen in einer weiß-dominierten Gesellschaft unser täglich Brot ist, herrschen weiterhin vor. Auch für unsere Kinder. Unsere Kindeskinder. Das sind die Folgen unterdrückter Wut: Stillstand. Gleichzeitig, werden wütende Frauen von anderen Frauen sowie Männern weniger ernst genommen. Wir brauchen einen Strukturwandel. Schon von Kindesbeinen an, müssen wir, Mädchen überhaupt den Raum bieten, ihre Wut auszuleben, ihnen die Emotion erklären, statt sie zu belohnen, sobald sie diese herunterschlucken. Wir müssen Jungs zeigen, dass auch sie die Wut von Mädchen anerkennen. Denn Wut ist keine “Männeremotion”! 

Gib deinen Senf dazu!