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Hadija Haruna-Oelker

Hadija Haruna-Oelker: “Schwarzen Frauen* wird soviel zugeschrieben.”

Fotocredits: Katarina Ivanisevic

Corona, George Floyd, freier Journalismus – wir haben drei Schwarze Journalistinnen gefragt, wie sie mit den Stress in den aktuell bewegten Zeiten und der Omnipräsenz von Rassismus umgehen? Als erstes startet die Journalistin Hadija Haruna-Oelker. Schwarze Frau, Mutter, bewegte Journalistin, Autorin, Moderatorin, Sprachrohr, Inspiration. Ach, schaut selbst rein!

Journalistin und Politologin Hadija Haruna-Oelke.

Wie würde dich dein*e beste*r Freund*in beschreiben?

Puh, was für eine Frage. Die wurde mir auch einmal in meinem ersten Bewerbungsgespräch mit 23 Jahren gestellt und da habe ich mich „schlecht“ verkauft und gelernt, dass man sich nicht auf die kritischen Punkte fokussieren sollte. Auch habe ich nicht die eine beste Freund*in, sondern Family-friends. Die habe ich jetzt auch direkt gefragt. Sie schreiben mir so Dinge wie: Kann gut zuhören, liest zwischen den Zeilen, empathisch, neugierig, schlagfertig, willensstark, viel Energie, Planerin. Ich wollte dann natürlich auch die nicht so tollen Seiten an mir wissen: Es hapert mal an der Kritikfähigkeit, nicht spontan, ungeduldig und dann auch mal ungehalten. Bohrt nach bis sie alles versteht.

Warum hast du dich für den Journalismus entschieden?

Der Wunsch war eigentlich ziemlich früh da. Nach dem Abi wollte ich zum einen Psychologie studieren, aber da hat es mit dem Notendurchschnitt nicht gereicht. Das andere war Journalistin werden. Während meinem Politikstudium gab es dann kurz die Idee, ob ich nicht doch in die Entwicklungszusammenarbeit einsteigen soll, um dort Dinge zu verändern. Aber mein Idealismus scheiterte an der Realität und dann dachte ich, darüber berichten wäre gut. Ein anderes mediales Afrikabild entwerfen und überhaupt fehlte mir die Repräsentanz Schwarzer Stimmen und kritischer Denker über Themen, die mich im Studium, in den Medien bewegt haben. Ich zähle zur Generation Praktikum und nach einigen Stationen war mir klar, dass ich eine Redakteur*innenausbildung machen will, um auch in einer Redaktion zu landen. Das Ziel habe ich dann verfolgt und mit dem Empowerment durch die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und die Neuen Deutschen Medienmacher*innen (NDM) habe ich mir meinen Weg gebahnt. Es war ein intensiver.

Was motiviert dich?

Die Generation, die meiner folgt und die Generation vor mir. Ich fühle mich in einer Art Sandwichposition und bin dankbar für die wichtigen Einblicke, die mir die sogenannten Elders der Community mitgegeben haben, ihre Kämpfe, ihr Widerstand, ihre Erfolge. Sie haben mich in meiner Art und Weise zu denken und zu arbeiten geprägt. Genauso wie das jetzt eine neue Generation (von Journalist*innen) tut, die ganz selbstverständlich und selbstbewusst ihre Rechte einfordert. Im Vergleich zu vor knapp fünfzehn Jahren, als ich meinen journalistischen Weg eingeschlagen habe, hat sich heute viel verändert. Wir sind mehr am Tisch geworden, die an vielen Orten mitverhandeln wollen und das motiviert mich – auch wenn noch viel Weg zu gehen ist.

Wie unterscheidet sich deine Arbeit aktuell von davor?

Du meinst jetzt, während der für mich nächsten Welle „Wir sprechen über Rassismus und mal sehen wie lange es hält – Phase“? Es war und ist eine überwältigende Multi-Tasking Leistung. Viel abwägen, reden, sich ab- und besprechen, sich auf Ungewisses einlassen, hoffen, dass es dieses Mal differenzierter wird, sich was weiter nach vorne bewegt. Es ist für mich nicht das erste Mal in so einer Welle zu sein. Es gab da eine vor knapp acht Jahren, als viele von uns Medienschaffenden angetrieben von politisch Aktiven, das Thema Racial Profiling in den Mainstream getragen haben. Das war eine heftige Zeit. Heftig war auch die Zeit, um die Debatte diskriminierungsfreier Begriffe in Kinderbüchern 2015 und die Debatte um Geflüchtete, die Silvesternacht in Köln, die folgte. Immer wieder hatte ich da diese Phasen, dass ich aufpassen musste, mich nicht zu verzetteln, weil man das Gefühl hatte, überall schreiben, sprechen, berichten zu wollen, weil es wichtig ist.

Wie kommst du mit der Hektik zurecht?

In der für mich heißen Phase habe ich einfach gemacht. Ich war on fire, aber ruhig und konzentriert, wie es der Lieblingsfeuerwehrmann meines Sohnes ist. Dieses Bild hat mir gut gefallen und ich habe es mir genommen, um mit der Unterstützung meiner Familie diese Zeit durchzuziehen und es ging ganz gut, weil ich klar geblieben bin.

Was bedeutet für dich Spiritualität?

Schon wieder eine schwierige Frage. Müsste ich ja damit anfangen, was Spiritualität für mich bedeutet. Verkürzt. Es ist für mich ein Raum, in dem ich mich selbst, das um mich herum und die Welt ganz nah und tief spüre. Eine Möglichkeit, Ruhe zu finden, Gelassenheit und Verbindung zu dem, was mir im Leben wichtig ist, aufzubauen. Es gab auf meinem Weg viele Begegnungen mit Spiritualität. Sei es das Religionswissen, das meine Familie mir vermittelt hat, aber auch Menschen die mir auf anderer Ebene dabei geholfen haben zu fühlen, dass da mehr ist als unsere Ratio erklären kann. Meine Empowerment-Erfahrung mit der südafrikanischen Lebensphilosophie des Ubuntu, die mir unter anderem Austen Brandt von Phoenix auf vielen Stationen meiner Reise vermittelt hat, ist auf jeden Fall eine, die mich immer wieder bewegt. Sie umfasst verkürzt gesagt das Streben nach einem guten gemeinsamen Leben.

Was ist dein Selfcare Tipp?

Immer wieder innehalten und sich fragen, wie geht es Dir? Was bräuchtest Du jetzt? Bist du zu schnell geworden oder kannst Du es halten? Pause machen und Wege finden, sich selbst besser einschätzen zu können. Ich musste und muss immer noch hart daran arbeiten, den Satz von Belle Hooks „Wellness is a form of resistance“ vor allem dann zu leben, wenn es viel wird. Aber ich bin besser geworden. So habe ich mir in den letzten Wochen (wenn auch zu wenig) Zeit dafür genommen, sinnlos Schönes zu tun, obwohl da all die Mails, Anfragen, Deadlines, Termine und der Wunsch genug Familienzeit zu haben waren. Ich habe gemalt beziehungsweise eine neue Technik ausprobiert, die mir meine Nachbarin gezeigt hat. So etwas mag ich und mache es viel zu selten. Und meine Freund*innen haben mich, aus meinem Tunnel herausgeholt. Gemeinsame Zeit mit guten Menschen verbringen, lachen und loslassen, was weh tut. Das ist wichtig, um neue Energie sammeln.

Vor welchen Herausforderungen stehen Schwarze Frauen aktuell?

A feminist question. Schwarzen Frauen* wird soviel zugeschrieben. Sie müssen sich zwischen exotisierenden Bildern und Vorstellungen der angry woman bewegen. Sie sollen klar, differenziert und nahbar sein, aber bitte nicht zu aufmüpfig. Sie müssen sich gegen vermeintliche Schönheitsideale positionieren, ihre eigene Schönheit fühlen und leben (lernen) und dann noch all die Rollen füllen, die man als Frau* in unserer Gesellschaft so zugewiesen bekommt. Als Mutter fühle ich persönlich noch die Verantwortung, mein Kind im empowernden Sinne begleiten zu wollen. Und im besten Fall (ironisch) kommt  für manche noch dazu, sich mit anderen Mitstreiterinnen zu streiten – sowohl in der eigenen Community, weil auch dort unterschiedliche Wissensstände herrschen. Aber auch mit „anderen“ Feminist*innen, wenn es darum geht, die Schwarze Perspektive in einer Debatte einzubringen, um auf Augenhöhe gemeinsam widerständig zu sein, gegen die viele patriarchalen Strukturen beziehungsweise, was das Thema Gleichberechtigung angeht.

Was für Lösungen siehst du für Schwarze Frauen in Bezug auf Spirtualität und Selfwellness?


Darüber musste ich jetzt länger nachdenken. Weil es ja was handfestes zum Schluss sein soll, das vielleicht empowert. Es fällt mir schwer etwas konkretes dazu zu sagen, weil Spiritualität so etwas individuelles für mich ist. Nicht jeder hat Zugang zum Gleichen, was das angeht. Aber vielleicht ist es genau das. Offen und neugierig bleiben für Zugänge und Angebote, die sich im Leben auftun, die einem andere aufzeigen. Durch Türen gehen, auch wenn sie die Ratio triggern. Also dorthin gehen, wo es emotionale Heilung gibt und es sich warm, aber nicht manipulierend anfühlt. Herausfinden, was mir gut tut. Ich wurde kürzlich von meinem Mann darauf aufmerksam gemacht, dass ich gar kein wirkliches Hobby habe, dem ich regelmäßig nachgehe, weil es mir nicht wichtig ist. Wie wäre es damit,  einen Tag in der Woche einzuführen, an dem man einfach nur etwas Schönes für sich macht. Das kann man sich am Tag vorher überlegen. Es darf alles, aber muss keinen Sinn oder Zweck erfüllen, außer Spaß und Freude. Das hatte ich vor Corona kurzzeitig eingeführt und leider in den letzten Wochen verloren. Gut, dass wir darüber sprechen.

Ciani-Sophia Hoeder

Ciani

Ein Online-Lifestylemagazin für afrodeutsche Frauen schaffen. Genau das hat sich die 29-jährige Berlinerin in den Kopf gesetzt. Nun ist Cianis Traum wahr geworden. RosaMag informiert, inspiriert und empowert Schwarze Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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