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Voodoo-Priesterin

Elizaneda Gerner: “Voodoo bedeutet anderen Menschen zu helfen und nicht von ihren Problemen zu profitieren”

Fotocredit: privat

Im Gespräch mit Gastronomin und Mambo Elizaneda Gerner

Wer Voodoo hört, denkt oft an Schwarze Magie und Verwünschungen. Ein Bild, das seinen Ursprung in Zeiten der Missionierung und des Kolonialismus in Afrika hat und heute durch Hollywoodfilme und Popkultur weiter in die Welt getragen wird. Ein falsches Bild, wie Elizaneda Gerner erzählt. Die Gastronomin ist in Haiti geboren worden, in Kanada aufgewachsen und lebt inzwischen seit einigen Jahren in Deutschland. In Düsseldorf betreibt sie ihr eigenes Restaurant, le Créol. Hier kocht sie selbst, bietet Kochkurse an und informiert ihre Gäst*innen über Haiti. Zusätzlich zu ihrem Tagesgeschäft übt Elizaneda aber auch noch eine andere Tätigkeit aus: Sie ist Voodoo-Priesterin, ausgebildet in ihrer Heimat Haiti. 

Im Gespräch mit RosaMag erzählt die Gastronomin, woher das negative Bild auf Voodoo herrührt, von ihrem Weg zur Mambo, einer Voodoo-Priesterin und, was sie sich von und für die Zukunft Schwarzer Frauen in Deutschland wünscht.

Kannst du einmal umreißen, was Voodoo eigentlich ist?

Voodoo ist eine Religion, die ursprünglich aus Afrika kommt. Als wir vor 500 Jahren Afrika verlassen mussten, haben wir jeden Teil dieser Religion mitgenommen. Voodoo ist seit 2004 offizielle Religion in Haiti neben dem Christentum. Wir sind dort alle Voodoo. Wir haben das im Blut.

Wie meinst du das?

Das ist unsere Kultur, das ist unsere Lebensart in Haiti. Dort spielen Voodoo-Priester*innen eine große Rolle für die Leute, die sich beispielsweise keine ärztliche Behandlung leisten können. Sie kommen zu Voodoo-Priester*innen, um Heilung zu finden, zum Thema Gesundheit, zur Liebe, wenn es Zuhause nicht funktioniert. Bei uns gibt es kaum Psycholog*innen. Voodoo-Priester*innen übernehmen oft diese Rolle.

Wie bist du zu Voodoo-Priesterin geworden?

Das war keine Entscheidung. Ich bin so geboren worden. Das ist unsere Kultur. In jeder Familie gibt es eine*n Voodoo-Priester*in. Bei uns war es erst meine Oma. Als Kind hat sie mich schon begleitet. Ich habe viel von ihr gelernt. Je mehr sie mich gelehrt hat, desto mehr wusste ich, dass das mein Leben ist und, dass ich später so leben möchte. Ich wollte Leuten helfen. Mit zwölf Jahren habe ich mit meiner gesamten Familie Haiti verlassen. Als Duvalier (Anm. der Redaktion: Ehemaliker Diktator Haitis) weg war, bin ich sofort wieder nach Haiti zurückgekehrt. Dort habe ich mich von einer Voodoo-Priesterin, einer Mambo, weiterbilden lassen.

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Was für eine Ausbildung war das?

Du musst lernen, Rituale zu führen, die richtigen Lieder zu singen. Viele Dinge müssen mithilfe einer Begleitperson gelernt werden. Nicht nur die Religion, auch wenn man einen Beruf ausüben möchte, muss man sich gut auskennen. Es gibt viele Scharlatane. Leute, die von der Angst anderer Menschen leben. Voodoo bedeutet anderen Leuten zu helfen und nicht von ihren Problemen zu profitieren. Das ist wichtig zu wissen. Das Gute und das Böse laufen parallel zueinander. Wer das erkennen möchte, muss Ahnung haben.

Warum sehen viele Menschen Voodoo als etwas Negatives?

Das ist mit Absicht gemacht. Hollywood-Filme tragen beispielsweise zu dem Bild bei. Voodoo wird mit Blut, mit Zombies in Verbindung gebracht. Wenn eine Person diese Filme sieht, denkt die Person automatisch, Voodoo sei böse und negativ. Dabei hat Voodoo nichts Bösartiges an sich. Diese Filme werden gemacht, um Angst vor der Religion zu verbreiten. Sie assoziieren Voodoo mit Gewalt. Es werden zum Beispiel Bilder gezeigt, in der ein Charakter mit einer Person spricht, die ihr nicht gefällt und anschließend versucht der Charakter sie mit Voodoo umzubringen. Das stimmt so nicht. Diese Bilder werden mit Absicht verbreitet, weil wir diese Religion nicht weiter praktizieren sollen. Auch in Haiti war Voodoo offiziell lange Zeit verboten. Seit 2004 ist Voodoo dort eine offizielle Religion. Unsere Sprache, Créol, ist seitdem auch offizielle Landessprache. Es wird aber dauern, bis das wirklich in den Köpfen angekommen ist.

Diese Religion, Voodoo, ist unsere Kultur. Ein Mensch ohne Kultur ist kein Mensch. Es ist nicht die Schuld einzelner Schwarzer Menschen, dass sie sie nicht akzeptieren. Dahinter steckt ein System und betrifft nicht nur die Religion. Wir müssen uns dessen bewusst werden, wach werden, unsere Augen öffnen. Wir müssen uns fragen, warum wir als Schwarze Menschen auf der ganzen Welt dieselben Probleme haben.

Wenn du sagst, du arbeitest in Deutschland als Voodoo-Priesterin, was genau bedeutet das?

Die Menschen kommen aus verschiedenen Gründen zu mir. Sie suchen Spiritualität, denn die Welt ist zwar von allem überflutet, aber sie halten am Ende nichts in den Händen. Wir treffen uns zu Ritualen, Zeremonien und Feiern und ich lege ihnen auch die Karten.

Wo liegt der größte Unterschied zwischen Voodoo und Christentum beispielsweise?

Es gibt zwar starke Unterschiede, aber wenn man ein Voodoo-Haus in der Karibik betritt, wird man viele Figuren aus dem Christentum finden. Das liegt daran, dass unsere Religion während der Kolonialzeit verboten war. Wir wurden unfreiwillig getauft, wir bekamen neue Namen und wir wurden von den Kolonialisten gezwungen unsere Religion aufzugeben. Also haben viele Sklav*innen Voodoo parallel in die katholische Religion integriert.

In der katholischen Kirche gibt es diesen Glauben an einen einzigen Gott. Dadurch gibt es dort diese Intoleranz. Wenn du nicht mit diesem einen Gott übereinstimmst, dann liegst du falsch. Im Voodoo gibt es so viele Götter. Wir haben im Voodoo so viele Möglichkeiten. Bei den Katholik*innen spricht der Papst für Gott auf Erden. So etwas gibt es bei uns nicht. Wir haben Voodoo Priester und Priesterinnen. Im Voodoo gibt es keine direkte Repräsentation von Gott auf Erden.

Es ist also offener?

Auf jeden Fall. Bei uns können wir abhängig davon welchen Geist wir feiern zum Beispiel auch Alkohol trinken während der Zeremonie. Voodoo ist auch Kunst.

Was würdest du dir von Schwarzen Frauen in Deutschland in Bezug auf Voodoo wünschen?

Sie sollten sie selbst sein und aufhören zu versuchen jemand anders zu sein. Sie sollen stolze Schwarze Frauen sein. Wir müssen aufhören zu konsumieren und zu kopieren und anfangen zu produzieren. In sich zu sein, ist schon Voodoo. Wer sich selber kennt, wird in seiner*ihrer Kultur leben und seinen*ihren Stolz wiederfinden. Voodoo ist Spiritualität. Viele Schwarze Frauen haben sie verloren und müssen versuchen sie in sich selbst wieder zu finden.

Celia-Parbey

Celia

Celia macht derzeit ihren Master an der Humboldt Universität zu Berlin und arbeitet nebenbei als freie Autorin für verschiedene Online- und Printmagazine. Bei RosaMag kümmert sie sich um das Ressort Menschen und interviewt dafür spannende Schwarze Persönlichkeiten aus Deutschland und der Welt.

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